Ein Brief an Alice Schwarzer

Liebe Alice,

Sie haben viel für die Frauenbewegung getan. Ich würde sogar so weit gehen, Sie als Freiheitskämpferin zu bezeichnen. Sie haben für die Rechte der Bevölkerungsmehrheit, die immer als minderwertige Gruppe wahrgenommen wurde, gekämpft. Das rechne ich Ihnen hoch an und ich bin Ihnen dankbar für Ihr Lebenswerk.

Aber, liebe Alice, die Frauen sind in Bewegung geblieben, während Sie leider irgendwann stehen geblieben sind. Sie finden Pornographie und Prostitution blöd. Das ist Ihre Meinung und das finde ich okay. Sie vergessen dabei aber blöderweise, dass es auch Frauen – emanzipierte Frauen! – gibt, die das anders sehen. Für mich persönlich sind die Pornoindustrie und die Prostitution Berufsfelder wie alle anderen auch. Sie plädieren dafür, dass man Prostitution verbietet, weil sie mit Menschenhandel einhergehe.

Nicht immer, Alice. Nicht immer. Ebensowenig wie Sie immer Recht haben. Es soll Frauen, ja sogar emanzipierte Frauen geben, die an Sex so viel Gefallen finden, dass sie ihn zu ihrem Beruf machen möchten. Es ist dabei doch viel wichtiger, diesen Frauen ein geschütztes Umfeld zu bieten als ihre Arbeit pauschal als antifeministisch, menschenverachtend und sexistisch abzutun. Leider gibt es immer noch mehr Frauen – vielleicht nicht in Deutschland, aber dafür sicher in anderen Ländern – die zur Prostitution gezwungen werden. Ich will mir nicht vorstellen, was diese Frauen durchmachen müssen, welche körperlichen und psychischen Schäden sie davontragen. Ich kann mir aber vorstellen, dass es den Prostituierten in Deutschland besser geht, wenn man ihnen ein geschütztes Arbeitsumfeld bietet, wenn man regelmäßig auf Geschlechtskrankheiten testen lässt, Beratungsstellen unterstützt und durch Gesetzgebung die Branche reguliert. “Unfug!”, werden Sie sicher beim Lesen denken, Alice, aber ich halte es für das genaue Gegenteil. Wissen Sie, Alice, im Jahr 2012 muss ich mich nicht für meinen Körper schämen. Er gehört mir, mir allein. Ich kann mit ihm tun, was ich möchte. Ich kann ihn sogar verkaufen, wenn mir danach ist.Ich fühle mich nicht als Mensch zweiter Klasse und ich fühle mich auch nicht wegen meines Geschlechts diskriminiert. Ich kann offen für eine positive Einstellung zu Sex werben, weil ich nicht fürchten muss als “Schlampe” abgestempelt zu werden, weil ich gerne Sex habe. Das habe ich sicher auch zum Teil Ihnen zu verdanken. Schade, dass Sie zu den Themen Prostitution und Pornographie eine so reaktionäre Haltung haben.

Sie waren mal mein Vorbild, Alice. Ich bezeichnete mich als “Emanze” und war stolz darauf. Nun, wenn ich gerade ein wenig ungestüm bin, würde ich Ihnen gerne mit einem Stringtanga das Maul stopfen. Mit einem Stringtanga, der im Schritt offen ist.

Alles Liebe,

Kati

Advertisements

3 Gedanken zu „Ein Brief an Alice Schwarzer

  1. Hm ich teile zwar die kritik an alice schwarzer, aber ich bin dennoch gegen prostitution an sich, gegen die zwangsprostitution in der frauen ausgebeutet werden sowieso. aber auch gegen die die du hier verteidigst, wenn man spaß an sex hat, kann man ihn auch haben ohne jemandem geld aus der tasche dafür zu ziehen, wenn nicht, sollte
    man den sex ganz lassen, cheerio.

Wenn du nichts Nettes zu sagen hast, bekommst du auch keine nette Antwort.

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s