Ich habe Angst.

Ich bin ein ängstlicher Mensch. Das ist okay. Damit komme ich meistens ganz gut klar, außer ich kann gerade nicht das Haus verlassen, weil da draußen Menschen rumlaufen, oder ich sitze auf der Couch und male mir aus, was meinen Eltern auf dem Weg zu ihren Freunden passieren könnte und zitiere sie nach Hause. Meistens behalte ich diese Ängste für mich, weil sie wirklich ziemlich abgedreht sind. Andere Ängste aber teile ich meinen Mitmenschen mit. Ab hier wird es problematisch.

Ich fühle mich verdammt unwohl bei dem Gedanken, dass da irgendwo bekloppte, machthungrige Idioten rumsitzen und über Atomwaffen verfügen, die auf einen Schlag 100.000 Menschenleben auslöschen können. Boom. Einfach so. Mir ist dabei scheißegal, wo besagte bekloppte, machthungrige Idioten sitzen, ob sie Ahmadinedschad, Netanjahu, Kim Jong Un oder Pippilotta Viktualia Rollgardina Pfefferminz Efraimstochter Langstrumpf heißen. Was mich angeht, gefährdet jede einzelne militärisch nutzbare Form radioaktiver Stoffe den Frieden. Es gibt hier keine „Guten“ und keine „Bösen“. Es gibt potenzielle Mörder und eine immer näher rückende Atomkatastrophe.

Klar, das passiert alles weit, weit weg von meiner schnuckeligen Studentenbude in München-Freimann und kann mir allein deswegen ja schon herzlich egal sein. Ist es aber nicht. Wahrscheinlich versinke ich hier in jugendlich-naivem, irgendwie niedlichem Weltschmerz, aber ich möchte nicht in einer Welt leben, in der ich jede Sekunde Menschen beim Sterben zusehen kann. Nicht friedliches Sterben, so im Kreise der Liebsten einfach entschlafen, nein, nein; gewaltsames Gemetzel, Verhungern oder Verdursten. Kein schöner Tod. Aber es passiert jeden Tag, überall auf der Welt, mehrfach.

Darüber mache ich mir Sorgen. Manchmal erstarre ich regelrecht und kann mich nicht mehr bewegen, nicht mehr denken. Manchmal teile ich meine Gedanken und sage: „Ich habe Angst“. Meist werden diese Ängste unwirsch beiseite gewischt. Man erklärt mir die Sachverhalte und versucht mich zu beruhigen, indem man meine Angst als lächerlich einstuft. Alle Fakten sprechen ja dagegen, ich solle nicht umsonst Panik schieben, und selbst wenn, es betrifft mich ja nicht.

Das ist nett, aber hör mal: Dass du mir sagst, dass ich keine Angst haben muss, macht sie für mich nicht weniger real. Und diese klitzekleine Wahrheit gilt für alle Lebensbereiche. Mein Tipp? Wenn das nächste Mal jemand zu euch kommt und sagt: „Ich habe Angst“, also verdammt nochmal Mut aufbringt und sich euch öffnet, versucht nicht das einfach rational wegzuerklären. Nehmt die Leute ernst. Vielleicht gibt es ja dann eines Tages weniger bekloppte, machthungrige Idioten.

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3 Gedanken zu „Ich habe Angst.

  1. In der heutigen Zeit Angst zu haben ist nicht übertrieben. Es ist nur die Erkenntnis, dass die Menschheit so seit Jahrtausenden lebt und es heute nur immer unpersönlicher wird, das Töten.
    Und das unpersönliche Zusehen, das kann einem schon Angst machen, ja das ist richtig, genauso auch die immer niedrigeren Beweggründe dafür.

  2. Was ich nach diesem Blogpost nicht ganz nachvollziehen kann: Wovor hast du konkret Angst, wenn es um „unfriedliches“ sterben geht?

    Ich entnehme dem Beitrag, dass es bei der Angst um das Sterben anderer Menschen geht. Wie du geschrieben hast, passiert das schon heute täglich unzählige Male, womit deine Angst eigentlich keine Angst vor einer drohenden Katastrophe sein kann (denn die Katastrophe ist schon da).

    Dann bleibt aber nicht mehr viel übrig, worauf sich die Angst konzentrieren kann. Ist es Angst vor verstärkter Wahrnehmung des Sterbens durch stärkere Berichterstattung? Eine diffuse Angst, die sich nicht auf bestimmte Sachverhalte konzentriert? Angst vor dem Eintritt einer Katastrophe, die jeweils grade verstärkt im Fokus der Medien steht? Angst davor, irgendwann in eine ähnliche Situation zu geraten? Oder Angst vor etwas anderem?

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