Mediale Panikmache

Ab und zu lese ich Zeitung. Okay, ich lese sie auf meinem Handy mithilfe diverser Apps, aber immerhin. Das alltägliche Tippen auf die kleinen Quadrate von Zeit, SZ und Spiegel gehört zu meinem Pflichtprogramm. Diese drei Zeitungen haben nicht wenige Dinge gemeinsam, aber um ein klitzekleines Detail geht es mir heute besonders: Der Bildungsteil.

Ach, die Bildung. So wichtig, und doch immer irgendwo relativ weit unten in der App. Man scrollt sich die Finger wund, um dann zu entdecken, dass doch nicht wirklich was Neues berichtet wurde. Die zweifellos sehr wichtigen Themen werden mit erstaunlicher Regelmäßigkeit aufgewärmt und nochmal durchgekaut. Eins ist mir dabei besonders aufgefallen: Die Jobaussichten der Bätschelaabsolventen.

Ich hoffe sehr, dass Redakteure der drei Zeitungen diesen Text hier lesen. Hi, liebe Journalisten! Hört mal, ich schätze eure Arbeit sehr, wirklich,  aber ich habe es satt, alle paar Monate zu lesen, dass ich als angehende Akademikerin eigentlich recht gute Chancen auf dem Arbeitsmarkt habe – immerhin liegt die Arbeitslosenquote bei Menschen mit Hochschulabschluss bei etwa 2% – nur um wenige Wochen später in einem anderen Artikel erzählt zu bekommen, dass ich als angehende Sozial- und Geisteswissenschaftlerin es vergessen kann, jemals Fuß in der Berufswelt zu fassen. Ich habe es satt, dass ihr immer wieder darüber berichtet, wie hoch die Einstiegsgehälter so sind, wie viele Praktika man vor seinem ersten Vollzeitjob im Durchschnitt macht, dass es zu wenige Masterplätze gibt, wie lange man nach der richtigen Stelle sucht und so weiter und so fort. Ihr informiert nicht, ihr löst Panik aus. Ich weiß, das wollt ihr gar nicht. Ihr wollt helfen, informieren, berichten, aber das Gegenteil von „gut“ ist nun mal „gut gemeint“. Ihr habt alle drei in den letzten Wochen darüber berichtet, wie gestresst Bachelorstudenten sind. Schon mal darüber nachgedacht, dass ihr mit eurer Berichterstattung auch dazu beitragt?

Ich für meinen Teil tu mir ab sofort einen Gefallen: Ich scrolle gar nicht erst so weit runter, dass ich die Artikel sehe. Problem nicht gelöst, aber immerhin aus dem Blickfeld entfernt. Und so bin ich ein kleines Stückchen weniger um meine Zukunft besorgt.

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