Wen wundert’s?

Normalerweise entsteht ein Blogtext von mir so: Ich stoße zufällig auf irgendein Thema und rege mich darüber auf. Meine Wut wandle ich in getippte Worte um und klicke irgendwann auf „Veröffentlichen“. Zack. Nun aber sitze ich seit gut einer halben Stunde hier und finde einfach nichts, worüber ich mich echauffieren könnte. 

Schlimm. Was wäre eine chronische Cholerikerin ohne ihren täglichen Wutausbruch? Stimmt etwas nicht mit mir? Ich überfliege die Websites der großen deutschen Zeitungen. Es ist ja nicht so als gäbe es keine Schlagzeilen, die mich interessieren. Es geschieht überall was. In Syrien tobt immer noch der Bürgerkrieg und die internationale Gemeinschaft guckt nur. In den USA hat ein Fünfjähriger seine zweijährige Schwester mit seiner eigenen Waffe erschossen – zum vierten Geburtstag bekam der kleine Racker, der vermutlich gerade mal seinen eigenen Namen schreiben kann, „My First Rifle“. Uli Hoeneß, Saubermann unter den deutschen Unternehmern, hat Steuern hinterzogen und tut jetzt ganz zerknirscht, während der Bundespräsident, von Berufs wegen netter alter Mann, ihn „asozial“ nennt. Eigentlich großes Kino, aber es kommt nicht an die Spezlwirtschaft der CSU ran. Einige Mitglieder der Christlich-Sozialen Union äußerten ihre Nächstenliebe, indem sie Familienmitglieder beschäftigten und ihnen mehr als üppige Gehälter zukommen ließen. Der NSU-Prozess verkommt noch vor seinem Beginn zur größten Farce in diesem Jahrtausend.

Ach, es gibt Themen, mehr als genug sogar, aber irgendwie kann man jedes einzelne mit einem Schulterzucken abtun. Nichts davon empört, weil alles so alltäglich geworden ist. Und genau das ist doch das Schlimme: Wir scheinen in einer Welt zu leben, in der uns das, was sich jeden Tag vor unseren Augen abspielt, kalt lässt. Wen wundert es denn, dass ein Kind in den USA sein Geschwisterchen erschießt? Wen wundert es, dass die CSU im Jahr 2013 auch weiterhin Vetternwirtschaft betreibt? Wen wundert die ganze Debatte um Steuerhinterziehung? Ach, mich wundert gar nichts mehr.

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2 Gedanken zu „Wen wundert’s?

  1. Man muss sich nicht wundern, um sich drüber aufzuregen. Ich glaube, im Gegenteil: Die Dinge, die Du auflistet, sind so infam, dass sie sprachlos – und damit auch gefühllos – machen.

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