Ein Schelm, wer Böses dabei denkt

Lieber Herr Seehofer,

ich mag Sie nicht. Das macht aber nichts, Sie sind in guter Gesellschaft. Es gibt viele Gründe, warum ich Sie nicht mag, angefangen bei Ihren unsäglichen Stammtischparolen bis hin zu dem idiotischen Betreuungsgeld, das Sie durchgedrückt haben, aber ich werde mich in diesem Text auf einen konkreten Aspekt konzentrieren.

Sie, Herr Seehofer, und der Großteil Ihrer Parteispezln, haben es nicht so mit der Demokratie. Dieser Verdacht drängt sich auf, wenn man sich anschaut, warum Sie unbedingt wollen, dass die Landtagswahl in Bayern einen gesonderten Termin bekommt.

Herr Seehofer, ich studiere Politikwissenschaft und beschäftige mich im Rahmen meines Studiums mit so weltfremden Konzepten wie Gerechtigkeit, Teilhabe und Demokratisierung. Vermutlich sagt Ihnen der Name Arend Lijphart nichts, aber das macht nichts. Herr Lijphart hat nämlich einige faszinierende Zusammenhänge entdeckt. Wussten Sie, dass die Wahlbeteiligung niedriger ist, wenn man Wähler häufiger zu den Urnen bittet? Ein ganz einfacher Vorschlag von Herrn Lijphart: Wahlen auf Landes- und Bundesebene am selben Tag stattfinden lassen. Klar, der Bürger opfert lieber einen Sonntag für seine demokratischen Rechte und Pflichten statt zwei. Vor allem zwei Sonntage direkt hintereinander. Um das zu wissen, muss man aber nicht Politikwissenschaft studieren; gesunder Menschenverstand sollte einen auch zu diesem Schluss führen.

Diesen scheinen Sie, Herr Seehofer, aber nicht zu haben. Stattdessen tummeln sich in Ihrem Kopf Gedanken über die Stellung Bayerns als wirtschaftlich stärkstes Bundesland. Als größtes Bundesland. Nein, nein, Wahnvorstellungen über die Grandeur Bayerns sind wichtiger als der Versuch, die Wahlbeteiligung zu steigern.

Werfen wir doch mal einen Blick auf das Kalkül hinter dem eigenen Termin: 15. September Landtagswahl, 22. September Bundestagswahl. Die Forschungsgruppe Wahlen sieht bei beiden Ereignissen die Union eindeutig vorne. Kurze Zwischenfrage: Wer beteiligt sich denn überhaupt an Politik? Wer geht wählen? Die Antwort ist eigentlich recht simpel: Politische Partizipation hängt stark von Geschlecht, Alter, Bildung und Einkommen ab. Tendenziell gehen eher männliche, ältere Menschen mit hohem sozioökonimischen Status wählen. Moment mal. Wie sieht denn eigentlich die Wählerschaft der CSU aus? Bei der Landtagswahl 2008 waren 68,9% der CSU-Wähler älter als 45. 44,5% waren älter als 60. Durch die Bank war die Wahlbeteiligung bei älteren höher als bei jüngeren Bürgern.

Oh Schock! Kann es etwa sein, dass Sie dafür sorgen wollen, dass möglichst wenige Menschen wählen gehen, damit Sie ein besseres Ergebnis einfahren, Herr Seehofer? Das möchte ich Ihnen nicht unterstellen. Immerhin sind Sie ein guter Landesvater, dem sicherlich viel daran liegt, dass eine breite Mehrheit der Bevölkerung seine Politik trägt.

Vielleicht liegt Ihnen aber auch mehr am Machterhalt. Wer weiß das schon so genau?

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Ein Gedanke zu „Ein Schelm, wer Böses dabei denkt

  1. Ausser dem ersten (unnoetigen) Absatz finde ich Ihren Artikel recht gut.
    (P.S.: Hoffentlich lesen Sie nicht nur Foucault und Chomsky, sondern auch z.B. De Toqueville, Carl Schmitt und Rand)
    Gruesse

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