Semesterferien

Damals, in grauer Vorzeit, als ich noch zur Schule ging, da wurde mir erzählt, „Semesterferien“ sei ein irreführender Begriff, weil man als Student gar keine Ferien hat. In der vorlesungsfreien Zeit schreibt man Klausuren und Hausarbeiten und überhaupt muss man sich nicht tagtäglich in die Uni schleppen, aber das ist schon der einzige Unterschied zum „normalen“ Studentenalltag. Ich habe gelacht.

Ach, Studenten. Die haben ein schönes Leben. Können ausschlafen, können feiern, hüpfen durch die Betten, schreiben zwischendurch so ein paar Prüfungen und Essays und so Kram, aber sonst ist alles ganz entspannt. Man kann bisschen länger studieren, macht ja nix, und nebenbei ganz abstruse Vorlesungen über die Morphologie südostafrikanischer Stammessprachen besuchen. Auf die Frage „und, was machst du dann mal damit?“ reagieren Studenten ganz unterschiedlich. Bei Lehramtstudenten, Juristen und Medizinern sind die Zukunftspläne relativ offensichtlich; bei Japanologen, angehenden Genderforschern und Slawistikmenschen (Slawistiker? Slawisten? Slawologen?) ist das schon etwas schwieriger. Aber egal, studieren tut man eh nur zum Spaß, ist ja alles ganz entspannt, nicht?

Nein. 

Ist es nicht.

Ich skizziere mal meine Lebensplanung bis Anfang 2014. 

August – Ende Oktober: Praktikum.

August – Mitte September: Hausarbeit schreiben.

Mitte Oktober – Mitte Februar: Uni inkl. Klausuren, Referate, Essays etc.

Mitte Februar – Mitte/Ende März: Hausarbeiten.

Man sieht: Es gibt gewisse Überschneidungen. Die ersten drei Wochen des Wintersemesters muss ich Vollzeit arbeiten, da ich für ein Wahlpflichtmodul ein mindestens 60 Tage umfassendes Praktikum brauche. Problem: Praktika, die kürzer sind als drei Monate, sind in etwa so häufig anzutreffen wie Pinguine am Nordpol. Weil ich drei Sitzungen in einem eigentlich zu belegenden Vertiefungskurs in meinem Nebenfach verpasse, weil ich für mein Hauptfach ein Praktikum machen muss, kann ich da keinen Schein erwerben. Tja. Pech. Verschiebt sich das halt um ein Semester. Ist ja nicht, schlimm, „Regelstudienzeit“ ist sowieso ein Begriff, den niemand ernst nimmt. Niemand? Nein, seitens des Amts für Ausbildungsförderung endet die Auszahlung der staatlichen Zuschuss-Darlehen-Kombi mit der Regelstudienzeit. Urlaubssemester nehmen, um ein Praktikum machen zu können? Kein Bafög, kein Studienkredit im Urlaubssemester. Nun. Die Lage ist doch nicht soooo entspannt, oder? Aber Praktika sind wichtig, irgendwie wird man das Kind schon schaukeln, und so eine Hausarbeit schreibt sich ja fast von allein. Wenn man nichts anderes zu tun hat und sich vollkommen auf die Hausarbeit konzentrieren kann, mag das ja stimmen, aber ich habe das dumpfe Gefühl, dass ich nach einer 40-Stunden-Woche zu kaputt bin, um mich intensiv mit Platon auseinanderzusetzen.

Aber okay. Ich habe es ja an diesem Sommersemester gesehen: Drei Monate sind verdammt schnell rum. Ich muss nur meine Arschbacken zusammenkneifen, das Praktikum hinter mich bringen, die Hausarbeit schreiben und kann dann erstmal Pause ma… Oh. Nein. Moment. Wintersemester. Referate halten, Übungen und Vorlesungen vor- und nachbereiten, Essays schreiben, nebenbei jobben und für Klausuren lernen. Vor allem für diese eine Klausur. Die Klausur, die ich letztes Semester nicht bestanden habe und die ich nur ein einziges Mal wiederholen darf und bestehen muss, weil ich sonst nicht mehr Politikwissenschaft studieren darf, auch wenn ich alle anderen Module mit einer eins vorm Komma abgeschlossen habe. Während ich also bangend darauf warte, dass man mir mitteilt, ob ich fünf Semester umsonst studiert habe, schreibe ich nebenbei mal wieder Hausarbeiten. Urlaub? Kann ich nach dem Studium machen. Vielleicht. Falls ich einen Job kriege. 

Irgendwie ist das alles andere als entspannt. Ich glaube, ich möchte nicht mehr studieren.

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5 Gedanken zu „Semesterferien

  1. Hmm, kann ich wohl doch nicht so viel meckern über mein Informatikstudium (Diplom, schon ne Weile fertig). Keine Praktika, nur zwei Arbeiten, die man mit einer Hausarbeit vergleichen kann. Keine Referate. Dafür halt in allen Semesterferien quasi Vollzeit arbeiten.

  2. was machen eigentlich studierende, die einen fixen job mit fix vorgegebenem jahresurlaub haben und den nicht aufgeben können, weil existenzgrundlage; wie machen die das mit dem praktikum? (überhaupt kein vorwurf, aber ich frage mich und komm auf keine lösung) (und: viel glück für alles. juli sind ja auch noch ein paar tage und hoffentlich erholsam.)

    • Entweder sie machen das Praktikum bei ihrem Arbeitgeber (falls möglich); oder sie nehmen eine Auszeit; oder sie sprechen das anderweitig mit dem Arbeitgeber ab; oder sie lassen sich das Praktikum anrechnen (was studiumabhängig unter Umständen möglich ist, falls der Arbeitgeber in der „richtigen“ Branche tätig ist).
      Das reguläre Studium nimmt für zwingende Veranstaltungen wenig Rücksicht darauf, wann es dem einzelnen Studenten genehm ist, zu studieren oder wann der Einzelne Zeit hat. Da fragt bei Pflichtvorlesungen mit Präsenzpflicht, Seminaren oder Klausuren auch kein Mensch nach. Es werden feste Zeiten angeboten. Und wer zu den Zeiten arbeiten muss, muss entweder den Schein zu einem späteren Zeitpunkt nachholen oder mit seinem Arbeitgeber sprechen oder wahlweise Studium oder Job aufgeben.

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