Am Rande des Wahnsinns

Hallo. Es tut mir leid, dass ich euch mit diesem Thema wieder auf den Sack gehe, aber ich schreibe diesen Text, um ein bisschen mehr Aufmerksamkeit auf Behördenwahnsinn zu lenken. An alle Journalisten und Politiker und sonstige seriöse Menschen, die diesen Text zu Gesicht bekommen: Bitte verzeihen Sie die gelegentlich auftauchenden Kraftausdrücke. Ich bin wütend.

Mein Name ist Katarina und ich wurde am 2. Mai 1991 in München geboren. München liegt in Bayern, was in der Nähe von Deutschland ist, habe ich mir sagen lassen. Weil meine Eltern jedoch nicht in Deutschland geboren worden sind, habe ich ihre Staatsangehörigkeit bekommen. Nun wird das alles ein wenig komplexer. Meine Eltern sind 1973 aus Jugoslawien nach Deutschland gekommen. Mutter kommt aus Slavonski Samac, einem kleinen Dorf, das heute ein Grenzübergang zwischen Kroatien und Bosnien-Herzegowina ist. Die beiden Staaten trennt die Sawe, ein ziemlich hässlicher Fluss und die Brutstätte irrsinnig vieler Mücken. Mein Vater wurde auf der anderen Seite der Sawe geboren, in einem kleinen Dorf namens Foca. Hier haben wir das Problem: Mein Vater wurde im Gebiet des heutigen Bosnien-Herzegowina geboren, ist aber Kroate und hat daher heute sowohl die kroatische als auch die bosnische Staatsbürgerschaft. In Jugoslawien war es so, dass man seine Kinder, auch wenn sie nicht auf Balkanboden geboren wurden, irgendwo registrieren muss, meist in der Balkanversion des Einwohnermeldeamts des Ortes, in dem man seinen Wohnsitz hat, oder im Geburtsort eines Elternteils. Meine älteste Schwester wurde 1972 in Doboj, der nächstgrößeren Stadt geboren, und daher wurde sie auch dort registriert. Meine beiden anderen Schwestern wurden 1979 bzw. 1981 in Mannheim geboren, aber dann auch im Geburtsort meines Vaters „angemeldet“. Zehn Jahre später war Jugoslawien anders, kurz vor seinem Zerfall, und die Unabhängigkeit Kroatiens war abzusehen. Deswegen wurde ich nicht im Geburtsort meines Vaters in Bosnien registriert. Darüber habe ich sogar einen Nachweis. „Katarina ist nicht im Geburtsort ihres Vaters registriert“. Ein netter Mann namens Fikret Lisinovic (kein Scheiß!) hat das unterschrieben und seinen Stempel draufgedrückt. Würde man in Bosnien irgendeinen Beleg dafür suchen, dass ich überhaupt existiere, würde man nichts finden. Keinen einzigen Papierschnipsel. Und das liegt nicht einmal daran, dass ich irgendjemand bestochen habe, um meine Akte „aus Versehen“ zu vernichten. Bosnien-Herzegowina hat mit mir so viel am Hut wie ich mit diesem Land: Nichts. Rein gar nichts.

Wiederholen wir doch das alles nochmal: Mutter kroatisch, Vater kroatisch und bosnisch, aber das auch erst seit 1998, lange nach meiner Geburt, alle vier Kinder kroatisch. Im Jahr 2000 kamen meine Eltern plötzlich mit der Idee an, dass man mich doch zu einer Deutschen machen könnte. „Optionsregelung“ hieß das und war plötzlich der heiße Scheiß für Kinder von Migranten, die 1990 oder später auf die Welt gekommen sind. Klang schon ganz cool. Du kriegst für den unschlagbaren Preis von 500DM die deutsche Staatsbürgerschaft mit all ihren Rechten und Pflichten, darfst aber auch deine alte behalten. Spätestens mit 23 musst du dich für eine von beiden entschieden haben. Entscheidest du dich nicht aktiv für die deutsche, verlierst du sie. Pech. Ich, wütend protestierend, war nun plötzlich in meiner Familie die Deutsche und somit der Paradiesvogel, was in meiner Familie schon einiges heißt.

Die Jahre zogen ins Land und ich freundete mich immer mehr mit meiner deutschen Staatsbürgerschaft an. Im September 2009 feierte mein Patenkind in Kroatien seinen 1. Geburtstag und ich bin extra früher gefahren, damit ich es rechtzeitig in die Wahlkabine schaffe. Meine erste Bundestagswahl. Ich glaube, ich war bis zu den ersten Hochrechnungen der stolzeste Mensch im ganzen Land. Ich durfte wählen. Ich habe gewählt. Ich konnte auf eine Art und Weise am Leben in diesem Land teilhaben, die meinen Eltern verwehrt geblieben ist. „Freude“ beschreibt dieses Gefühl nur zu einem Bruchteil.

Tjanun, ich war 18 und hatte somit „das magische Alter“ erreicht, in dem ich mich langsam, aber sicher zwischen den beiden Staatsbürgerschaften entscheiden musste. Der erste Brief vom Kreisverwaltungsreferat in München war ein Schlag in die Fresse. Moment mal. Ich? Bosnische Staatsbürgerschaft? Mit Bosnien hatte ich doch nie was zu tun! Aber da stand, dass ich die bosnische Staatsbürgerschaft haben könnte und nun einen Nachweis bringen muss, dass ich sie nicht habe.

Wie bringe ich diesen Nachweis? Meine Sachbearbeiterin im KVR zuckte mit den Schultern. Wenn alle Stricke reißen, sagte sie, müsse ich die bosnische Staatsangehörigkeit beantragen und mich dann wieder ausbürgern lassen. „Aber das ist doch schwachsinnig!“, denken Sie gerade sicher. Ja, ist es. Ich ging in das Generalkonsulat von Bosnien-Herzegowina in München und trug mein Anliegen vor.

„Ich brauche einen Nachweis, dass ich nicht bosnische Staatsbürgerin bin. “
– „Sind Sie bosnische Staatsbürgerin?“
„Nein.“
– „Dann kann ich nichts für Sie tun.“
„Aber warum nicht?“
– „Weil Sie keine bosnische Staatsbürgerin sind.“
„Und das kann ich nicht schriftlich haben?“
– „Nein.“
„Warum nicht?“
– „Sie sind keine bosnische Staatsbürgerin. Wir sind nicht für Sie zuständig.“

Ich ging heulend aus dem Konsulat und rief meine Eltern an. Sie wollten ohnehin meine Oma besuchen und könnten ja dann nach Doboj in Bosnien fahren und schauen, was man dort machen kann. Ein paar Wochen später hatte ich das oben erwähnte Dokument von meinem Kumpel Fikret in der Hand und wählte die Telefonnummer meiner Sachbearbeiterin im KVR.

„Ich habe hier ein Schreiben, dass ich nicht im Geburtsort meines Vaters eingetragen bin. Reicht das als Nachweis?“
– „Nö. Aber hören Sie mal, die Regierungen verhandeln gerade miteinander. Sie sind ja nicht der einzige Fall. Halten Sie mal still und unternehmen Sie nichts. Das wird schon.“

In der Zwischenzeit hatte ich erklärt, dass ich auf jeden Fall die deutsche Staatsbürgerschaft behalten will und auf einen EU-Beitritt Kroatiens vor meinem 23. Geburtstag hoffe, sodass ich sowohl Kroatin als auch Deutsche bleiben kann. Diese Erklärung wurde von meiner Sachbearbeiterin abgetippt und von mir unterschrieben. Ich hatte wieder ein bisschen Hoffnung. Kroatien würde den Beitritt sicher vor 2014 schaffen, das mit Bosnien würde sich irgendwie klären und ich konnte mich wieder auf andere Dinge konzentrieren. Zum Beispiel mein Abitur, danach mein Studium und meine ca. 500 Nebenjobs und meine Psyche, welche mir immer mal wieder einen dicken, fetten Strich durch alle Rechnungen gemacht hatte.

Mitte Juli 2013 bekam ich wieder Post vom KVR. „Bitte setzen Sie sich so bald wie möglich mit uns in Verbindung, damit wir Ihre Angelegenheit abschließen können“ stand da. Perfekt. Kroatien war ja jetzt beigetreten, das mit Bosnien hatte sich hoffentlich auch erledigt und ich würde mir nie wieder Sorgen über meine Staatsangehörigkeit machen müssen.

Vor ein paar Tagen hatte ich einen Termin im KVR und eine neue Sachbearbeiterin vor mir, die mich zuerst anschnauzte, was mir denn einfiele, einfach nicht auf Schreiben des KVR zu reagieren. Hä? Was? Mir wurde doch gesagt, ich solle nichts unternehmen, also hab ich auch nix gemacht. Ja, ich solle die ausländischen Behörden ignorieren, aber doch nicht die deutschen! Die wollen mir ja nix Böses! [ich hoffe, dass Sie an dieser Stelle schmunzeln] Was war los? Ich bin mittlerweile 22 und hätte vor meinem 21. Geburtstag einen Antrag auf eine Beibehaltungsgenehmigung stellen müssen, damit ich die kroatische Staatsbürgerschaft behalten darf, bzw. die deutsche neben der kroatischen. Hä? Ich hatte doch schon vor Ewigkeiten erklärt, dass ich auf jeden Fall die deutsche behalten will. Reicht das denn nicht? Offensichtlich nicht, man muss extra einen Antrag stellen, worüber man mich dauernd (sprich: einmal im Jahr) informieren wollte, aber ich habe ja auf kein einziges Schreiben reagiert und mal anrufen oder in so einem verdammtes Schreiben erwähnen, worum genau es geht, nein, das geht ja nicht, ne. Meine Sachbearbeiterin spielte sich nun als große Heldin auf; sie wolle retten, was zu retten ist, aber ich müsse einen Antrag auf nachträgliche Beibehaltungsgenehmigung stellen, zumindest was die kroatische Staatsangehörigkeit angeht, für die bosnische könne sie nix tun. Ach ja, die bosnische, naja, also das werden wir zwei nicht mehr erleben, dass sich die Regierungen da einigen, lachlach, ich solle schon mal einen Antrag auf Registrierung stellen.

„Registrierung?“
– „Ja, für die bosnisch-herzegowinische Staatsbürgerschaft.“
„Wissen Sie, wie viel das kostet? (ich hatte mich informiert) Ich bin Studentin, mein Vater ist Rentner, Mutter arbeitet Teilzeit. Das ganze Verfahren inkl. Fahrtkosten und Unterkunft kostet ca. 1000€.“
– „Naja, Sie hatten ja jetzt einige Jahre Zeit, um dafür zu sparen. Das ist kein Grund, das wird die Regierung von Oberbayern sicher nicht akzeptieren.“

Moment mal, was hat denn die Regierung von Oberbayern plötzlich mit allem zu tun? Auch egal.

Ich verstehe nichts mehr. Kein bisschen. Ich habe die kroatische Staatsbürgerschaft durch Geburt und die deutsche durch Einbürgerung, die bosnische aber nicht, und der einzige Nachweis, der akzeptiert wird, ist meine Ausbürgerungsurkunde? Meinen die das ernst?

Ganz offensichtlich. Wenn ich bis zum 1. Mai 2014 nicht zweifelsfrei nachgewiesen habe, dass ich die bosnische Staatsangehörigkeit nicht habe, verliere ich die deutsche, obwohl ich bis zu diesem Zeitpunkt die bosnische nie besessen habe. Ausbürgerung auf Verdacht.

Ey, Deutschland, so gern ich dich auch hab, ich wünsche mir gerade, ich wäre einfach nur Ausländerin.

Advertisements

51 Gedanken zu „Am Rande des Wahnsinns

  1. Spannend und traurig zugleich. Ich habe gelächelt, denn ich kämpfe wie Du gerade mit bavarischer Behörden-Sturköpfigkeit, allerdings auf einem anderen Schlachtfeld. Während man Dir partout die bosnische Staatsbürgerschaft unterjubelt, behaupten die bei mir stur, ich sei in München gewesen und hätte dort eine Verkehrssünde begangen. Man habe mich anhand von ‚Vergleichsbildern‘ identifiziert. Ich bin’s gewesen – obwohl ich schon mehr als ein Jahrzehnt nicht in München war, dort weder Autos gemietet oder gefahren habe. Ich war’s, einfach so. Interessanterweise ist aus der Korrespondenz mit der Polizei herauszulesen, dass die deutschen Behörden über allerhand Daten mich betreffend (inklusive Fotos!) verfügen, von denen ich nicht weiss, wie sie die bekommen haben.

    Da ich mich in diesem Neuland ab und zu wenig schmeichelhaft gegenüber deutschen Behörden geäussert habe, gelte ich vermutlich als Staatsfeind oder sowas und werde bespitzelt.

    Wenn Du mal etwas lachen und gleichzeitig die Stirn runzeln willst: http://haze.ch/?p=5589

    Gruss – und viel Glück!

    Ray

  2. Du weißt das sicher schon: Du bist mit diesen Problemen nicht allein. Die Vorstellungen, mit denen in den 1960er Jahren Anwerbeabkommen abgeschlossen wurden, waren einerseits phantastisch, andererseits völkisch. Inzwischen gibt es auch Forschung zur jugoslawischen Arbeitsmigration in die BRD. Ob das tröstlich ist, weiß ich allerdings nicht.

    Ich gutgläubiges Mensch stelle mir vor, dass ein Rechtsbeistand die Angelegenheit für unter 1000 Euro zu Deiner Zufriedenheit regeln kann.
    Mit der Exekutive des wichtigsten Staats der Welt, der Regierung von Oberbayern, würde ich mich nicht herumschlagen wollen. Das bringt mich auf die Idee, ob man nicht das zuständige Amt wechseln kann, indem man einfach in eine menschenfreundliche Region umzieht? Berlin oder NRW zum Beispiel.

    Toitoitoi!

  3. Das tut mir sehr Leid. Ich kenne das Problem, obgleich ich nicht unter die Optionsregelung fiel. Ich muss nun einen Test über die deutsche Geschichte bestehen, Schul- und sogar Arbeitszeugnisse vorzeigen und außerdem schriftlich äußern, dass ich keiner terroristischen Gruppierung angehöre oder eine solche zu gründen in Planung bin. Ich kam mit zweieinhalb Jahren nach Deutschland und spreche die deutsche Sprache besser als meine Muttersprache (und wirklich besser als die meisten Bayern, wenn ich mir diese Arroganz an dieser Stelle in Hinsicht auf meine Erschöpfung gestatten darf). Das reicht allerdings nicht, denn ein Deutschprüfung muss auch noch absolviert werden. Jetzt warte ich auf einen Brief, oder DEN Brief.

    Die Lage des ehemaligen Jugoslawien ist sowieso absurd. Ich bin kosovarischer Abstammung, hatte aber bis vor wenigen Jahren noch den serbischen Pass, was gewissermaßen lustig ist, weil ich jetzt mit dem kosovarischen Pass nicht einmal in Serbien einreisen darf.(1) Beide gab es auch erst nach langwierigen Behördengängen, die man als guter deutscher Nichtdeutscher natürlich nicht selbst erledigen kann, ohne den persönlichen Anteil am Bruttosozialprodukt einschränken zu müssen. Also wird ein serbokroatischer Anwalt bezahlt, der alle paar Wochen jedes Land im Balkan besucht und Papiere und „Trinkgeld“ dort einreicht. Nach ∞ Ewigkeiten ist es schließlich so weit, aber wir sind noch lange nicht fertig: hinterher einige Besuche im lokalen Bürgerbüro, wie es mittlerweile nach der Umbenennung von „Ausländeramt“ heißt, bis das unbefristete Visum endlich auf dem Blatt klebt. Unterschriften, juristische Belehrungen, die den Geschmack von Verhören tragen, aber Schluss ist noch nicht. Denn der geschulte Einwanderer lässt sich gleich noch ein paar Einwohnermeldebescheinigungen ausdrucken – ein Stück Papier mit zwei Zeilen und einem Stempel für je 5 Euro – ohne die sich weder ein Bankkonto, noch ein Büchereiausweis beantragen lassen.

    Ja, es frustriert. Ich hätte wirklich gerne einfach den verdammten Pass und einen Ausweis, auf dem hinten meine verdammte Adresse zu finden ist, und ich würde gerne irgendwo hin reisen, ohne vorher bei der betreffenden Botschaft anzurufen und zu erfragen, ob sie mein Geburtsland anerkannt haben und falls nicht, ob ich dennoch ein Visum beantragen könnte.

    Tut mir Leid, Deinen Beitrag für meine persönliche Problematik so missbraucht zu haben.
    ____
    (1) Zwischen den beiden Staaten gibt es ein paar .. Ungereimtheiten.

  4. Zum Anwalt gehen ist die einizge sinnvolle Alternative, wenn man selbst mit Behördensache überfordert ist. Es sollte genügend Fachanwälte für Verwaltungsrecht geben, die sich mit Angelegenheiten der Staatsangehörigkeit befassen.

  5. Ich kann dir leider kaum helfen, kenne weder Politiker noch Journalisten, aber habe das mal fleißig auf den üblichen Kanälen geteilt, in der Hoffnung, es möge etwas bringen.

    Auf diesem Wege wünsche ich also nur Tapferkeit, Ausdauer und ein baldiges Ende dieses Unfugs.

  6. Vor kurzem hat das Einwohnermeldeamt oder das Finanzamt (so genau weiss man das wohl nicht), meine Religionszugehörigkeit verloren, da ich einen Patenschein gebraucht hätte sollte ich nun nachweisen, dass ich nicht aus der Kirche ausgetreten bin … ich kenne also das Prinzip, dass man etwas nachweisen soll was man nicht gemacht hat oder ist das allein schon ist ziemlich WTF? … Dein Fall ist natürlich wessentlich krasser aber die Deutschen Behörden sind der absolute Irrsinn wie hier mit dem Leben von Menschen spiellt und hantiert ist Wahnsinn und verletzt meinem Empfinden nach ganz eindeutig die Menschenwürde. Auch die anderen Fälle hier in den Kommentaren stimmen mich nicht gerade fröhlicher. Deutsche Ämter sind in ihrem Handeln oft sowas von absurd, dass es oftmals schwer in Worte zu fassen ist. Ich hoffe dein Fall bekommt die mediale Aufmerksamkeit die man benötigt um ein paar Ärsche zu bewegen. den Retweet gibts dafür gerne.

  7. Traurig, traurig, das eine eigentlich gute Sache (doppelte Staatsbürgerschaft) durch die Verfahrensverordnungen konterkariert wird.
    Wenn es dich tröstet, es war schon früher so: mein in D geborener Vater musste als EU Ausländer jedes Jahr zum Konsulat und die Deutschen fragt nach seiner „Heimatadresse“. Rassismus pur.

  8. Traurig, traurig, das eine eigentlich gute Sache (doppelte Staatsbürgerschaft) durch die Verfahrensverordnungen konterkariert wird.
    Wenn es dich tröstet, es war schon früher so: mein in D geborener Vater musste als EU Ausländer jedes Jahr zum Konsulat und die Deutschen fragt nach seiner „Heimatadresse“. Rassismus pur.

    • Ich habe niemals um Geld gebeten und werde das auch nie tun. Dieser Text soll nur darauf aufmerksam machen, welche Hürden man so nehmen muss, wenn man deutscher Staatsbürger werden und bleiben will.

  9. Meine Ansicht ? Jedem, der hier geboren ist, hat gefälligst die hiesige Staatsbürgerschaft erteilt zu werden, (falls man den Begriff nicht ganz streichen sollte) und jedem Behördenmensch, der das bestreitet, und nicht kapiert, das er selbst bei seiner Geburt einfach nur Glück gehabt hat, wird ab sofort nach Nordkorea ausgebürgert: Das ist wirtschaftlicher, and economy rules the world, wenn dann richtig – und nicht immer nur gegen die Falschen.

    Dann könnte ma das Münchner Kreisverwaltungsreferat einfach zumachen, und den Baugrund einer so sinnlosen Behörde meistbietend verscherbeln – und mit DEN Zusatzeinnahmen lassen sich die paar Verluste, die durch Leute entstehen, die sich falsche Pässe basteln, leicht decken, weil:

    Dann gibt es eben keine neuen Verkehrsregelengen und Kontrollen mehr, und jeder macht sich dann eben seine Papiere selber: Immer noch besser als sowas.

    Entschuldigung, wenn ich sowas lese, fällt mir nichts Konstruktiveres zu solchen Umtrieben ein. Obwohl, den ganzen Papierkram, wo der Mensch bei den Behörden antanzen soll, durch ein System ersetzen, wo DIE sich kümmern sollen, wenn die ein bürokratisches Problem haben, und wenn sie es nicht lösen können, dann eben verschwinden (anstatt das die Menschen verschwinden) hätte ja auch was.

    Gegen Anarchie gibt es einige Vorbehalte, aber wenn ich sehe, was die Beamtenherrschaft anrichtet, ist sie vielleicht das kleinere Übel.

  10. Tja, diese Behörden. Ich kann es nicht nachfühlen, da ich nie mit solchen Problemen konfrontiert wurde (in Bezug auf Staatsangehörigkeit und co.). Aber da ich mich beruflich das ein oder andere Mal auf die „Hilfe“ dieser verlassen musste, kenne ich die Thematik durchaus. Als Tipp: Dran bleiben, und hartnäckigkeit beweisen. irgendwann klappts – vielleicht wenn man auch nur einen anderen Sachbearbeitet hat! :) Alles Gute!

  11. Eine Sache habe ich gelernt: Lass dir alles schriftlich geben und schmeiss niemals irgendetwas weg. Mach Kopien wenn originale verlangt werden.

    Als mein polnischer Pass drohte auszulaufen hatte ich die Entscheidung: 150 Euro für die Verlängerung (+ Fahrtkosten nach Hamburg zum Konsulat) oder 250 für den deutschen Pass und das direkt bei mir um die Ecke.

    Da ich eh schon seit über 20 Jahren hier lebe, hat sich der deutsche Pass angeboten. Ich gehe also den Pass beantragen und das erste was ich befrage habe ist, ob es Probleme geben würde, wenn man polnischer Pass während der Beantragung abläuft. War alles gar kein Problem. Geld bezahlt etc.

    1-2 Monate später dann der nächste Termin wo mir dann gesagt wurde, dass die Bearbeitung nicht weitergehen kann, weil mein polnischer Pass abgelaufen ist. Natürlich wusste (die selbe Person) nichts mehr von Ihrer Aussage.

    Von meiner Arbeit an der Universität fange ich erst gar nicht an zu erzählen, dort läuft noch viel mehr schief, weswegen ich wirklich jeden Scheiss aufhebe und weghefte.

  12. Pingback: Link(s) vom 6. August 2013 - e13.de

  13. Also, als Irrsinn würde ich es nicht bezeichnen, wenn man sich vor dem 23 Lebensjahr zwischen mehreren Staatsangehörigkeiten entscheiden und dies durch einen formalen Antrag tun muss. In D gibt es eben für alles einen Formularvordruck, den man ausfüllen muss. Das einzige, was ich nicht verstehe, ist, dass sie dir diesen Antrag nicht gleich zugeschickt haben, anstatt dir mehrere Briefe zu schicken, wo nichts weiter drin steht, was sie von dir wollen. Aber eigentlich willst du ja von denen was, nämlich die deutsche Staatsangehörigkeit behalten. Und wenn da eine Telefonnummer drauf stand auf den Schreiben, dann hätte ich die schon mal kurz durchgerufen, was denn das Anliegen ist. Ich hätte die Schreiben vom KVR jedenfalls nicht einfach ignoriert, wie du es offenbar getan hast. Von daher kannst du eine gewisse Mitschuld an der jetzigen Situation nicht wegdiskutieren, auch wenn du das jetzt wahrscheinlich nicht hören willst.

    • Der Irrsinn daran ist, dass ich nachweisen muss, dass ich eine Staatsbürgerschaft nicht habe und dies tun muss, indem ich diese Staatsbürgerschaft erst beantrage und dann wieder abgebe. DAS ist der Punkt.

      • Zitat: „Ich bin mittlerweile 22 und hätte vor meinem 21. Geburtstag einen Antrag auf eine Beibehaltungsgenehmigung stellen müssen, damit ich die kroatische Staatsbürgerschaft behalten darf, bzw. die deutsche neben der kroatischen.“

        Du hast dich durch deine jahrelange (18-22) Untätigkeit in dieser Sache selbst in die prekäre Lage gebraucht, wenn ich den Sachverhalt richtig verstehe. Denn wenn du laut eigener oben zitierter Aussage schon vor dem 21. Lebensjahr einen Antrag auf Beibehaltung der dt. Staatsangehörigkeit gestellt hättest, müsstest du jetzt – mit 22 – nicht beweisen, dass du keine bosnische hast. Den Sinn dieser Vorschriften mal außen vor gelassen. Jetzt hilft vielleicht nur noch ein Fachanwalt für Verwaltungs-/Staatsangehörigkeitsrecht, wie es Klaus schon oben vorschlug. Eidesstattliche Versicherungen sind übrigens normalerweise auch ein probates Mittel, wenn sonst nichts mehr geht an Beweismitteln.

      • Ich hätte eine Beibehaltungsgenehmigung für die deutsche neben der kroatischen stellen müssen, richtig. Dass ich die bosnische nicht habe, was das Hauptproblem ist, muss ich aber auf jeden Fall vor meinem 23. Geburtstag nachweisen. Da hätte ich die Beibehaltungsgenehmigung auch sofort an meinem 18. Geburtstag stellen können, es würde nichts ändern.

  14. Pingback: Interessante Links und Nachrichten 05.08.2013ff - Pirat Aleks A.

  15. Das war bei meinem Bruder genau so :)
    hat auch den kroatischen pass, fast nichts mit Bosnien zu tun, musste sich aber einbürgern und gleich daraufhin ausbürgern um dann die dt. zu erhalten (das war vor ca 8 Jahren).

    Da Kroatien nun in der EU ist, würde ich den kroatischen Pass behalten (so wie ich).
    Es gibt eigentlich genau KEINE Grund für einen Passwechsel :)
    oh doch: dann kannste die Merkel wählen :)

    Sofern du ein Dokument zum ausweisen brauchst, kannst du dir im KVR einen dt. Perso ausstellen lassen.

    Und so nebenbei: Etwas weniger Twittern, dann hättest auch n tausender bei Seite geschafft ;-)
    das haste als Kellnerin in 2-3 Wochen zamm.
    von nichts, kommt nichts!

    Wenn du noch Hilfe bezüglich der Pässe brauchst => twitter.com/djmaki

    • Haha in welcher Welt lebst du bitte? Du willst in 2 Wochen kellnern 1000€ zurücklegen haha sag mir bitte wo ich da hin muss & ich zieh um und fang da sofort an!

    • Also bitte. 1000 Euro für etwas, das vollkommen hinrissig ist, zu bezahlen, nur weil die deutschen Behörden sich stur stellen, muss wirklich nicht sein. Was ist denn das für eine Argumentation?

      Du kannst aber gerne meine Kontonummer haben, und da gelegentlich überfälliges Geld überweisen. Ich verspreche auch, dass ich sinnvollere oder zumindest schönere Dinge damit mache als mich irgendwo ein- und direkt wieder ausbürgern zu lassen.

  16. Hast du bereits versucht, dem Konsulat einen Brief zu schicken, in dem du darum bittest dir zu bestätigen, dass du keine bosnische Staatsangehörigkeit besitzt? Wenn du glcük hast schreiben Sie dir ja, dass sie dir nicht helfen können, weil du ja keine bosnische Staatsangehörigkeit hast.

    • Das Problem ist, dass es kein zentrales Staatsangehörigkeitsregister gibt. Du kannst nicht in irgendeine bosnische Behörde gehen und um einen Nachweis bitten, sondern musst das dort tun, wo du wohnst bzw. gemeldet bist. Den Nachweis, dass ich nicht im Geburtsort meines Vaters gemeldet bin, habe ich, aber das reicht den deutschen Behörden nicht.

  17. Es ist generell ziemlich schwierig, zu beweisen, dass etwas NICHT existiert.
    Ich glaube, darüber hat sich schon irgendein berühmter ater Grieche vor 2500 Jahren den Kopf zerbrochen.

    Die 1000 Euro (wenn Du sie überhaupt hättest) würde ich lieber für einen Anwalt ausgeben, der diesen Scheiß für Dich erledigt, als für 1 Tag Bosnierin-Sein (obwohl auch das sicher aufregend ist).
    Ich drücke die Daumen, dass Du alle Level dieses blöden Spiels gewinnst.

  18. Pingback: Update Staatsbürgerschaftenzirkus | katikuerschmeckert

  19. Bin in Deutschland geboren, beide Elternteile sind im bosnischen Teil Ex-Jugoslaviens geboren und ich habe mit Bosnien absolut NICHTS am Hut. Meine Eltern und ich sind in Kroatien gemeldet.
    Jetzt habe ich neulich die deutsche Staatsbürgerschaft beantragen wollen. Auch in meinem Fall geht man von einer bosnischen Staatsbürgerschaft aus (zusätzlich zur kroatischen, die ich bekanntlich habe), nur weil meine Eltern diese möglicherweise beim Zerfall Jugoslaviens bekommen haben könnten. Mein Sachbearbeiter hatte mir aus einem Ausschnitt vorgelesen, dass im Falle kroatischer Staatsbürger, deren Eltern oder ein Elternteil in Bosnien geboren worden sind/ ist, in den „meisten“ Fällen die bosnische Staatsbürgerschaft ebenfalls vorhanden sei. Deswegen muss ich jetzt beweisen, dass ich kein bosnischer Staatsbürger bin.
    Es würde jedoch genügen, wenn ich aus dem Geburtsort meiner Eltern eine Bescheinigung erhalte, die bestätigt, dass ich keine bosnische Staatsbürgerschaft habe.

    Telefonisch wird das sicher nicht gehen. Meine Eltern sind momentan aber in Kroatien und werden ab Montag schauen, was sie erreichen können.

    Werde dich auf dem laufenden halten.

    Zeljko

  20. Beende den Irrsinn, heirate !!! Wenn die es nicht anders wollen. Schade um die Nerven. Und ganz ehrlich, eigentlich lohnt es sich für einen jungen Menschen nicht in diesem Land zu bleiben und stolz darauf zu sein gleich gar nicht, aber das bekommst Du in ein paar Jahren sicher selber mit.

  21. Pingback: Woanders – diesmal mit Bier, einem Bäcker, Bosnien und anderem | Herzdamengeschichten

  22. Zum Glück habe ich als Schwede ohne Interesse Deutscher zu werden solche Probleme nicht. Allerdings: Nach fast jedem Kontakt, den ich mit deutschen Behörden habe, bin ich irgendwo in dem Bereich genervt bis wütend. Die stereotype deutsche Kompetenz, davon sieht man nicht viel.

    Dass der Bürger beweisen muss, dass er keine weitere Staatsangehörigkeiten hat, ist in sich eine direkte Schweinerei: Es ist ja eigentlich selbstverständlich, dass es den Behörden obligen müsste, die umgekehrte Unterstellung zu beweisen—oder aber ohne Aus- und Gegenrede die deutsche Staatsangehörigkeit zu finalisieren.

    (Diese Art von unrechtstaatliche und einseitige Regelung scheint aber in Behörden beliebt zu sein.)

  23. Warum müssen Sie eigentlich keinen Nachweis erbringen, daß Sie keine thailändische Staatsbürgerschaft „nebenbei“ besitzen ? Oder gar Kongo, Mauretanien, Botswana ? Ingesamt stünden Ihnen da so um die 200 mögliche Zweitstaatsbürgerschaften zur Wahl, derer man Sie verdächtigen könnte und die man für’n Heiermann bekommt.
    Geben Sie eine eidesstaatliche Erklärung ab (danach könnte man sie 10 Jahre lang wegen Meineides einbuchten) und das sollte denen doch reichen.
    Denn BEWEISEN kann man die Nichtstaatsbürgerschaft bei über 200 Ländern faktisch nicht.

  24. Hallo,

    dein Vater hat damals einen entscheidenden Fehler gemacht, als Jugoslawien zerfiel. Er hat sich in seinem Geburtsort vor Ort in Bosnien Herzegowina registriert. Wie die meisten Kroaten in Deutschland komme ich aus der Herzegowina. 1992 war es üblich, dass man sich irgendwo bei Verwandten angemeldet und dann die kroatische Staatsbürgerschaft beantragt hat. Gab es keine Möglichkeit sich in Kroatien anzumelden, hat man die Beantragung über das zuständige Generalkonsulat durchgeführt, wo man als Diaspora Kroate registriert wurde mit den Wohnsitz in der jeweiligen Stadt in Deutschland. Ich kenne absolut niemanden, der das Problem hat, so wie du es schilderst mit den bosnischen Ämtern. Jetzt bist du halt in einem Raster. Normalerweise haben diese Staatsbürgerschaft bosnjakische Moslems und bosnische Serben. Vielleicht werden die intern einfach anders behandelt von den Behörden. Keine Ahnung. Ich habe auch die deutsche Staatsbürgerschaft und habe davor die Deutsche abgegeben. Ich habe absolut keine Nachteile dadurch in Kroatien. Ich kann genauso eine OIB Indentifikation durchführen, was bedeutet, dass ich dort Konten eröffnen kann, Erben, Eigentum besitzen usw. Im Gegenteil, es hat Vorteile. Bei einer deutschen Staatsbürgerschaft überlegt sich jeder Polizist zweimal, ob er mich wie Dreck behandeln soll, z.b bei einer Kontrolle usw.

    Aber das soll ja alles obsolet sein. Jetzt nach dem EU beitritt hat man ja das Recht auf 2 Staatsbürgerschaften. Zumindest steht es so auf offiziellen Webseiten. Wer es braucht .. Ich nicht.

  25. Ach ja noch was: Ich z.b habe laut bosnischen Gesetzen gar kein Recht auf ne bosnische Staatsbürgerschaft. Meine Eltern sind beide in BIH geboren. Aber echt nur das. Kannst du nicht damit kommen? Musst mal googlen. Gerade jetzt aufgrund der bevorstehenden Volkszählung in Bosnien findest du da genug Treffer.

  26. Dein Fall erinnert mich daran, wie ich dem Bafög-Amt zig mal nachweisen und erklären musste, dass ich meinen Vater nicht kenne und auch nicht weiß, wo er wohnt, geschweige denn, ob er überhaupt noch lebt. Die haben allen Ernstes von mir verlangt, dass ich an eine damals schon über 20 Jahre alte Adresse (Studentenwohnheim in Westdeutschland) schreibe und auf Antwort von meinem Vater warte.

  27. Pingback: Schauen Sie mal woanders | Draußen nur Kännchen

  28. Nett. Wenn ich die Kommentare richtig verstanden habe, ist das Hauptproblem eigentlich nicht in erster Linie, eine fehlende Staatsangehörigkeit zu beweisen, sondern das für ein Land zu tun, das keine zentralen Register führt und darüber gar keine Auskunft geben kann.

    Sich zum Beweis ein- und wieder ausbürgern zu lassen ist schon etwas seltsam. Da stellen sich mir zwei Fragen:

    1. Warum wäre die Wiederausbürgerung ein Beweis für eine nicht vorhandene Staatsangehörigkeit? Du könntest doch weiterhin lokal registriert sein. Das könnte niemand feststellen, da es keine zentralen Register gibt. Der lokale Eintrag verschwindet ja nicht einfach, nur weil du dich irgendwo hast wieder ausbürgern lassen. Ohne zentrales Register kann das niemand feststellen.

    2. Was würden die deutschen Behörden denn für ein Land fordern, das weder ein zentrales Register hat, noch jemanden einbürgern würde? Dann wäre nämlich auch der Weg der Ein- und Ausbürgerun versperrt.

    Möglicherweise könnte es helfen, diesen Fragen nachzugehen, denn ganz eventuell tun sich dadurch weitere Alternativen auf.

    Viel Glück!

  29. Hey Katarina!
    Auf der Suche nach einer Lösung des selben Problems welches du hier schilderst bin ich auf deinen blog gestoßen. Ich hier geboren, aufgewachsen, abi, Studium, etc. Eltern Kroaten aber in BiH geboren. Seit über 32 Jahren in Dtl.
    Wie du habe ich heute ebenfalls vom Münchner KVR gesagt bekommen dass ich das nachweisen muss. Meine telefonische Anfrage im bosnischen Konsulat ergab das gleiche Ergebnis wie bei dir….

    Hast du denn das Problem gelöst???

    Ich überlege einen Anwalt einzuschalten, aber ich habe keine Ahnung was für einen…

    Ich leide mit dir!

  30. Das ist typischer BehördenWahnsinn. Du kennst bestimmt die Asterix Geschichte mit dem Passierschein A38. Mein Tipp, wenn du einen guten Anwalt kennst, lass ihn mal die Sache übernehmen. Du sollst einen Nachweis erbringen, der nicht erbracht werden kann (vielleicht durch eidesstattliche Versicherung oder dem kroatischen Konsulat, dass du nur die kroatische und nicht die bosnische Angehörigkeit besitzt).

  31. Hallo Katarina,

    ich weiß natürlich nicht, welche Gespräche und Schriftwechsel es zwischen Dir und dem KVR bereits gab, vielleicht ist das, was ich gleich schreibe, alles ein alter Hut für Dich. Dennoch möchte ich meine Gedanken zur Thematik, welche ich mir aus demselben Grund wie Du machen musste (Einbürgerung als Kroate beantragt, Eltern beide Kroaten, Mutter im heutigen BIH geboren), mal darlegen, vielleicht hilft das eine oder andere ja.

    Als erstes muss ich dazu sagen, dass ich – für mich glücklicherweise – diese Gedanken meiner Einbürgerungsbehörde nicht mehr vortragen musste, da meine Einbürgerung glücklicherweise positiv beschieden wurde. Ich musste dazu jedoch meiner Einbürgerungsbehörde darlegen, welche Pässe meine Eltern besaßen, dabei hat mir sehr geholfen, dass meine Mutter noch ihre alten SFRJ-Pässe hatte. Haben Deine Eltern – insb. Dein Vater – diese vielleicht noch in einer Kommode? Die Passnummern im ehemaligen Jugoslawien waren nämlich – so wurde es mir von Dritten erklärt – ein Zeichen dafür, welche Teilrepublik-Staatsangehörigkeit man hatte. Die Pässe meiner Mutter begannen alle mit einem „H“ für Hrvatska und nicht mit „BH“. Dies habe ich der Einbürgerungsbehörde so mitgeteilt, was deren Zweifel auch ausgeräumt hat.

    Ansonsten jetzt meine Argumentationskette, welche ich wie gesagt nicht ausprobieren musste, vielleicht hilft sie Dir ja.

    Zunächst muss für die Annahme, dass Du BIH-Staatsbürgerin bist, ein konkreter Anfangsverdacht bestehen, ansonsten könnte man ja jedem unterstellen, er hätte die Staatsangehörigkeit von Afghanistan oder Zypern. Der Anfangsverdacht besteht bei Dir, da Dein Vater ja die BIH Staatsangehörigkeit hat. Maßgeblich dafür, ob dieser Anfangsverdacht Bestand hat, ist jedoch die Rechtslage im Jahr 1991, zum Zeitpunkt Deiner Geburt. Ggf. hast Du Dich damit bereits befasst, es war in Ex-YU nicht so, dass man einfach nur Jugoslawe war. Die jugoslawische StA ergab sich aus der Teilrepubliks-Staatsangehörigkeit, d.h. die Tatsache, dass man Staatsangehöriger der Sozialistischen Republik Kroatien war führte dazu, dass man auch die StA der SFRJ inne hatte. Nehmen wir mal an, Dein Vater war zum Zeitpunkt Deiner Geburt SFRJ-Bosnier (dazu würden ggf. die alten Pässe helfen!) und Deine Mutter SFRJ-Kroatin, dann war es nicht eindeutig, welche Teilrepublik-StA Du als ihr Kind bekommst. Dafür gab es eine Kollisionsnorm, und zwar Artikel 22 des damals gültigen jugoslawischen Staatsangehörigkeitsgesetzes („Zakon o drzavljanstvu SFRJ“ aus dem Jahr 1976). Dieser Artikel regelte in Absatz 4, dass ein im Ausland geborenes Kind von Eltern mit unterschiedlichen Teilrepubliks-StA die Teilrepubliks-StA bekommt, welche die Eltern auswählen. Absatz 5 regelte dann, dass das Kind – sollte keine offizielle „Verlautbarung“ der Eltern zur StA erfolgt sein – und ich vermute mal, dass das in den wenigsten Fällen gemacht wurde – die StA der Teilrepublik bekommt, in der der Ort liegt, in dessen Geburtsregister das Kind nach der Geburt eingetragen wurde. Du schreibst zwar, dass Du nicht im Geburtsort Deines Vaters registriert wurdest, erwähnst jedoch nicht, ob Du in Kroatien registriert wurdest – das wäre hierfür jedoch wichtig. Wurdest Du in HR registriert, warst Du mit ziemlicher Sicherheit Bürgerin der Teilrepublik Kroatien (ausser wie gesagt, Deine Eltern WOLLTEN, dass Du BIH-Bürgerin bist).

    Das KVR will Dir nun aber die StA des heutigen BIH unterstellen. Sofern eine Registrierung in HR und damit ziemlich sicher auch die StA der Teilrepublik HR der Fall war, gilt für die Frage, ob Du nach dem Zusammenbruch von YU auch Bürgerin des heutigen Staats BIH bist folgendes: Artikel 7 Buchstabe c) der BIH-Verfassung regelt, dass jede Person als Staatsbürger von BIH gesehen wird, welche vor Inkrafttreten der Verfassung im Jahre 1992 die Staatsangehörigkeit der Teilrepublik BIH hatte. Dies wäre bei Dir bei obiger Argumentation nicht der Fall gewesen, so dass darüber keine BIH-Staatsangehörigkeit erlangt wurde.

    Die anderen Möglichkeiten, die StA von BIH zu erwerben bzw. erworben zu haben, sind gemäß § 5 des BIH-Staatsangehörigkeitsgesetzes: Abstammung, Geburt auf dem Gebiet von BIH, Adoption, Einbürgerung sowie zwischenstaatliche Vereinbarungen. Die letzten vier Punkte kann man m.E. getrost streichen, bleibt nur die Abstammung übrig. Die Vorgaben dazu werden in § 6 des Gesetzes konkretisiert, und dieser § beginnt gleich mit dem entscheidenden Satz: „Ein nach Inkrafttreten der Verfassung geborenes Kind erlangt die Staatsbürgerschaft durch Abstammung […]“ – da Du VOR Inkrafttreten der BIH-Verfassung geboren wurdest, entfällt diese Möglichkeit jedoch ebenfalls.

    Lange Rede, kurzer Sinn: Du kannst natürlich nicht zweifelsfrei beweisen, dass Du die StA von BIH nicht hast, da es keinerlei gesamtstaatliche Negativbescheinigung darüber gibt (das bestätigt sogar die deutsche Botschaft in Sarajewo in einem Merkblatt, vgl. http://www.sarajewo.diplo.de/contentblob/1450650/Daten/2545074/Merkblatt_StA_BIH_Entlassung.pdf). Jedoch muss gegenüber dem KVR auch die Gegenfrage erlaubt sein, worauf sich die Annahme, Du hättest die BIH-Staatsangehörigkeit, OBJEKTIV begründet. Eine Aussage à la „da unten auf dem Balkan wurden halt die Staatsangehörigkeiten verteilt wie die Süßigkeiten“ ist m.E. nicht ausreichend, da man Dir ansonsten wie gesagt die Staatsangehörigkeit JEDES „unzuverlässigeren“ Landes andichten könnte und Du einen Gegenbeweis antreten müsstest. Und wenn das Argument ist, dass Du die BIH-StA über Deinen Vater bekommen hast, müsstest Du anhand der Papiere Deines Vaters bzw. anhand Deines Eintrags in das YU-Geburtsregister prüfen, ob Du in HR gemeldet wurdest. Wenn ja, solltest Du m.E. mit der damaligen und auch der heutigen Rechtslage (s.o.) argumentieren. Dann muss das KVR entscheiden, ob sie die Rechtslage der Ex-SFRJ bzw. von BIH anerkennen oder ob sie sich zu einer offiziellen und schriftlichen Aussage zum „Balkanismus“ hinreißen lassen.

    Ich hoffe, ich konnte Dir ein wenig helfen, drücke Dir die Daumen und hoffe, bald positives hier zu lesen.

    Viele Grüße,
    S.

  32. Hallo Zusammen,

    heute sind die Koalitionsverhandlungen abgeschlossen worden und dies hier sollte doch die Lösung zum „Problem Doppelte Staatsbürgerschaft“ sein:

    – Die doppelte Staatsbürgerschaft für alle von 1990 an in Deutschland geborenen Kinder ausländischer Eltern. „Erst ab 1990“, mögen manche mosern. Aber das betrifft die aktuelle Generation der 23-Jährigen, die sich sonst für eine Staatsbürgerschaft hätten entscheiden müssen. Das unwürdige Optionsmodell ist damit passé. –

    Viele Grüße
    Lisa

  33. Pingback: Ich will ein Shirt mit der Aufschrift “I Survived Optionspflicht” | katikuerschmeckert

  34. Hallo, bin gerade im Internet auf deine Geschichte gestoßen. Dieser nette Kumpel Fikret war mein Vater. Er ist leider gestorben vorletztes Jahr! Es freut mich immer wieder zu hören das er immer hilfsbereit war. Ich hoffe deine Probleme konnten gelöst werden. Liebe Grüße! Emi

    • Hallo Emi, es tut mir sehr, sehr leid von deinem Verlust zu hören. Ich bin deinem Vater für die Unterschrift und den Stempel sehr dankbar; ich durfte die deutsche Staatsbürgerschaft wohl auch deswegen behalten. Danke.

  35. Hallo,
    ich kenne das Problem aufgrund der Herkunft meines Mannes aus dem Kosovo (das ja eigentlich Serbien war/ist…also je nachdem, wen man fragt…)
    Zum Fall Ausbürgerung nur nach Einbürgerung und darauf folgender Ausbürgerung aus dem Kosovo gibt es sogar ein Gerichtsurteil. Eine nette Dame hatte geklagt, dass dieses Vorgehen ja wohl nicht sein kann. Kann es leider doch.
    D.h. um eine dt. Staatsangehörigkeit zu erhalten, benötigt ein Serbe, der auf kosovarischem Gebiet geboren ist, einen Ausbürgerungsnachweis aus dem Kosovo, auch wenn er eine sog. „Negativbescheinigung“ der kos. Botschaft hat, die besagt dass er nicht in den Registern unten geführt wird.
    Leider kein Witz!

    Es freut mich, dass sich bei Dir alles zum Guten gewendet hat.

    Liebe Grüsse aus dem Rheinland,

    Annika

Wenn du nichts Nettes zu sagen hast, bekommst du auch keine nette Antwort.

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s