Update Staatsbürgerschaftenzirkus

Gefühlte 1.000 Emails, 70 Telefonate und nur zwei leicht tränenlastige Nächte später ist der Rand des Wahnsinns zwar noch deutlich sichtbar, aber wirkt weniger bedrohlich. Bisher haben fast 6.000 Menschen den Text über meinen Passierschein A38 gelesen. Ich bin überwältigt von der Anteilnahme, dem Interesse und dem Mangel an hämischen Kommentaren und „dann geh doch nach Hause!“-Rufen. Danke an jeden einzelnen von euch, der sich die Zeit genommen hat, meinen Text zu lesen, ihn vielleicht sogar weiterverbreitet oder mir Hilfe angeboten hat. Ehrlich.

Arbeiten wir uns doch mal langsam vor. Was habe ich in den letzten beiden Tagen so gemacht?

Ich habe der Zeit, der Süddeutschen, Spiegel Online, taz, der Münchner Abendzeitung und der Münchner tz auf Twitter geschrieben. Von keinem der Redaktionsaccounts kam etwas zurück, aber der Bayerische Rundfunk hat den Artikel aufgegriffen. Matthias Streitz, Chef vom Dienst von Spiegel Online, schrieb mir einige sehr freundliche Nachrichten. Er würde den Münchner Korrespondenten kontaktieren, könne aber nichts versprechen. Allein dass er sich die Zeit genommen hat, meinen Te… Naja, siehe oben. Irene Gronegger, eine Münchner Journalistin und Bloggerin, leitete meinen Text an das Rathaus und das Presseamt der Stadt München weiter. Ich warte noch auf eine Reaktion. Auch an Irene: Vielen lieben Dank!

Kommen wir nun zu den Politikern. Ich weiß gar nicht, wem ich alles eine Mention geschrieben habe. Es waren ein paar, nicht viele, aber einige wenige. An oberster Stelle möchte ich Dorothee Bär erwähnen, die unfassbar nett reagiert und meinen Fall an den bayerischen Innenminister Herrmann geschickt hat. Das ist schon viel mehr, als ich mir erhofft habe. Frau Bär, falls Sie diesen Text hier lesen: Ich bin kein Fan Ihrer Partei, aber jetzt gerade mag ich Sie als Person recht gern und würde Sie nach den Landtagswahlen gerne auf einen Kaffee einladen. Als kleines Dankeschön. 

Die unvergleichliche Marina Weisband hat jedoch am schnellsten reagiert. Sie meinte, sie könne nichts für mich tun außer meinen Text zu verbreiten, aber allein damit war mir schon sehr geholfen. Auch hier: Danke. 

Per Mail kamen Rückmeldungen von Christine Stahl, MdL (Die Grünen), Ana Krmek, einer Mitarbeiterin von Ulrike Grote, MdL (Die Grünen) und Florian Ritter, MdL (SPD). Gestern habe ich nur den Abgeordneten von SPD und Grünen geschrieben. Warum? Ich ging davon aus, dass die beiden Parteien die Optionspflicht mittlerweile sowieso total bekloppt finden und erhoffte mir von ihnen die größte Unterstützung. Sobald ich Zeit habe, werde ich auch noch den Abgeordneten von CSU und FDP schreiben. Ich rechne damit, dass das spätestens Freitagabend der Fall sein wird. 

Nächsten Montag habe ich einen Gesprächstermin mit Herrn Ritter. Herr Ritter ist im Verfassungsausschuss des Landtags und kennt daher das Optionsproblem. Ich freue mich sehr auf das Gespräch und werde berichten.

Am wichtigsten war aber bisher wohl das Telefonat mit Konrad Massepp. Herr Massepp ist der Sachgebietsleiter „Personelles Statusrecht, Ausländerrecht“ der Regierung von Oberbayern. Ich erklärte Herrn Massepp meinen Fall. Er bestätigte, dass ich nicht die einzige bin, die das Problem mit dem Negativnachweis der bosnischen Staatsbürgerschaft hat, und erwähnte sogar, dass es in Sachen Optionspflicht brisantere Fälle als meinen gibt (muss man sich mal vorstellen). Er bat mich darum, ihm in einer Email alles nochmal zu schildern und Scans der Unterlagen aus Bosnien zu schicken. Das habe ich gerade getan. Er wird meine Akte vom Münchner Kreisverwaltungsreferat anfordern und ich sollte in naher Zukunft wissen, wie es weitergeht. Eins konnte er mir aber versichern: Ich muss die bosnische Staatsbürgerschaft nicht beantragen und gleich wieder abgeben, wenn ich sie nicht ohnehin schon besitze. Die Aussagen meiner Sachbearbeiterinnen im KVR weichen wohl von der offiziellen Linie der oberbayerischen Regierung ab. Damit ist die Sache mit Bosnien trotzdem noch nicht geklärt, aber was genau ansteht, sage ich euch, wenn ich den Bescheid von Herrn Massepp habe. 

Jetzt geh ich erstmal einen Muffin essen. 

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9 Gedanken zu „Update Staatsbürgerschaftenzirkus

  1. Das traurige an der Sache ist, dass Menschen mit dem selben Problem, die zufällig nicht die Reichweite über virtuelle Kanäle erzeugen, in dieser Angelegenheit im Regen stehen gelassen werden statt dieses Problem – das ja schon bekannt zu sein scheint – schnellstmöglich durch entsprechende Gesetze oder interne Regelungen zu beheben.
    Ich wünsche dir dennoch viel Erfolg und hoffe, dass Bayern endlich umfassend reagiert.

    (Da der Muffin inzwischen vermutlich weg ist, wünsche ich ausnahmsweise keinen guten Appetit)

  2. Pingback: Ich will ein Shirt mit der Aufschrift “I Survived Optionspflicht” | katikuerschmeckert

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