Freiheit. Vielleicht.

Ich hatte erst ab der 12. Klasse Ethik. All die Jahre davor saß ich im katholischen Religionsunterricht und schaute „Die Schneckenbahn hat 12 Stationen“. Mein Ethiklehrer war großartig und hat mir in den beiden Jahren mehr beigebracht als die meisten anderen Lehrer in meiner ganzen Schullaufbahn.

Es war, glaube ich, Sartre, der sagte, der Mensch sei durch die Möglichkeit zum Freitod erst wirklich frei. Suizid sei die letzte, die ultimative Grenzerfahrung, die ein Mensch machen kann. Nagelt mich bitte nicht darauf fest, der Ethikunterricht ist schon lange her. Wir haben uns beim Thema „Freiheit und Determination“ damit auseinandergesetzt, ob der Mensch einen freien Willen hat oder alles schon vorgegeben ist.

Ich mache mir oft Gedanken über Freiheit. Der Mensch ist frei geboren und doch liegt er überall in Ketten, so Rousseau. Was aber ist mit meinen Ketten? Habe ich sie mir selbst ausgesucht? Vielleicht bin ich ja so frei, selbst bestimmen zu können, was mich fesselt. Und wenn ich es mir recht überlege, dann ist man vielleicht genau dann frei, wenn man nicht krampfhaft versucht frei zu sein. Man ist frei, wenn man angekommen ist, wo und wann auch immer das sein mag.

Vielleicht ist man dann frei, wenn man seine Ketten nicht als Fesseln, sondern als Schmuck sieht. Vielleicht ist es ja die ultimative Freiheit, sich seine Grenzen selbst setzen zu können. Vielleicht. Ganz vielleicht.

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3 Gedanken zu „Freiheit. Vielleicht.

  1. Der geniale Zyniker Ambrose Bierce definiert „Freiheit“ als „eines der kostbarsten Güter der Einbildungskraft“ und „Emanzipation“ als „Übergang eines Sklaven aus der Unterdrückung durch einen anderen in die Unterdrückung durch sich selbst“. So long…

  2. Wie passen die Sätze in dem letzten Absatz zusammen? Selbst wenn man die Fesseln, von denen Rousseau schreibt, als Schmuck sieht, begrenzen sie doch die möglichen Handlungsoptionen (und erweitern sie in anderer Hinsicht). Dem widerspricht die Auffassung, dass ultimative Freiheit bedeute, sich seine Grenzen selber setzen zu können. Denn solange die Ketten in Form von gesellschaftlichen Konventionen und Gesetzen existieren, wird die Möglichkeit der eigenen Grenzziehung zwingend eingeschränkt, da sich diese Grenzziehung dann nur im Rahmen dieser Ketten bewegen kann.

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