Hobby: Fett sein

Ich bin fett. Das sage ich nicht als „uh, ich bin normalgewichtig, aber dennoch weit vom gängigen Schönheitsideal entfernt!“, sondern ich habe wirklich beachtliches Übergewicht.

Ich war schon immer auf der dicken Seite des Lebens.

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Sport und Bewegung waren nie mein Ding. Ich habe schon als Kind viel lieber gelesen als draußen zu spielen. Meine Eltern haben mich erst spät bekommen (Mutter war 39, Vater 42) und hatten als selbständige Gastronomen mit drei weiteren Kindern nicht besonders viel Zeit für mich. Wenn ich gequengelt habe, hat man mir halt Schokolade gegeben, damit ich ruhig bin. Nicht die beste Erziehungsmethode, aber hey.

Als Teenager war ich weiterhin übergewichtig und Sport war eine Qual, insbesondere Schulsport. Trotzdem habe ich mich viel an der frischen Luft bewegt, war viel Fahrrad fahren, mit Freunden im Schwimmbad und bin spazieren gegangen. Rückblickend betrachtet frage ich mich, wieso ich mich wegen meines Gewichts so fertig gemacht habe. Und wieso ich deswegen so fertig gemacht wurde.

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Mit 15 habe ich ein Auslandsjahr in den USA gemacht. So ziemlich jeder, der einmal als Gastschüler in den USA war, kann davon berichten, dass er teilweise extrem zugenommen hat. Bei mir waren es 17 Kilo.

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Einen Großteil des Gewichts bin ich in Deutschland wieder losgeworden, einfach weil das Essen hier komplett anders ist als das in den USA. Mit 16/17 war ich bei einem Kopfschmerzspezialisten in Behandlung, weil meine Migräne immer schlimmer geworden ist. Wir haben viele verschiedene Prophylaxemethoden ausprobiert, auch Medikamente. Psychopharmaka führen oft zu rapider Zu- oder Abnahme. Mein Gewicht schwankte in dieser Zeit extrem. Als es mir am schlechtesten ging und ich wegen Suizidgefahr in die Psychiatrie kam, war ich lustigerweise am dünnsten. Als es mir wieder besser ging, habe ich ein bisschen zugenommen – hey, passiert halt, wenn man wieder regelmäßig statt gar nicht isst – aber das war okay. Mir ging es besser. Alles andere war egal.

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Kurz darauf habe ich meine Medikamente auf eigene Faust wieder abgesetzt und zugenommen, weil in meinem Körper viel weniger Serotonin im Umlauf war. Aber yes! Kein Antidepressivum mehr und mir ging es so auch echt gut. Mittlerweile hatte ich beschlossen, dass ich mich vegetarisch ernähren möchte, und darauf geachtet, keine „Pudding-Vegetarierin“ zu sein, sondern viel Obst und Gemüse zu essen. Bonus: All you can Kartoffeln und Pasta!

Zwei Jahre später ging es mir wieder schlechter und ich habe gemerkt, dass ich psychisch wieder abrutsche. Ich habe mir sehr früh Hilfe gesucht und wieder Psychopharmaka genommen. Das war die einzig richtige Entscheidung. Erst habe ich dank der Medikamente rapide abgenommen, dann wegen des Antipsychotikums, das ich ein halbes Jahr später bekommen habe, rapide zugenommen. Wenn ich unbedingt zur Uni musste, bin ich entweder zu Fuß gegangen (als ich noch bei meinen Eltern wohnte – 2km spazieren ist machbar) oder mit dem Auto gefahren, weil ich nur selten mit überfüllten öffentlichen Verkehrsmittel fahren möchte.

Heute sehe ich so aus.

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Seit etwa fünf Wochen ernähre ich mich ketogen, weil ich hoffe, dass ich dadurch meine Migräne in den Griff bekomme. Ich achte extrem darauf, was ich esse und was nicht. Ich mache mittlerweile Sport, egal wie sehr ich es hasse, weil Sport gut gegen die Angespanntheit, Unruhe und Schlafstörungen hilft, die mein neues Antidepressivum verursacht.

Vorgestern wollte ich mir einen Sport-BH kaufen. Meine Brüste sind ziemlich groß und mit den Dingern zu hüpfen ist im besten Fall unangenehm, aber eigentlich echt schmerzhaft. Ich habe alle Sport-BHs in dem Laden anprobiert und meine Brüste hüpften munter weiter. Als ich halb entblößt in der Umkleide stand, erzählte mir die Verkäuferin, ich solle fünf kleine Mahlzeiten am Tag essen, nie weiteressen wenn ich satt bin, und überall zu Fuß hingehen. Mal ganz abgesehen davon, dass es verdammt erniedrigend ist, halbnackt vor einer Fremden zu stehen und sich anzuhören, dass man ein fettes, widerliches Ekel ist.

Ich möchte keinen Sport-BH, weil ich Sport mache, um abzunehmen, sondern weil ich ihn einfach für meine Psyche brauche. Wenn du einen Menschen auf der Straße triffst, weißt du nichts über ihn. Du weißt nicht, ob er gesund ist, wie er sich ernährt, ob er regelmäßig Medikamente nimmt, ob sich die Medikamente auf den Stoffwechsel auswirken. Gerüchteweise soll es dünne Menschen geben, die nie Sport machen, essen worauf sie Lust haben und trotzdem dünn sind. Eine meiner Schwestern ist so. Die anderen beiden haben, genau wie ich, die Statur unseres Vaters geerbt. Weil ich aber ein Faible dafür habe, mich selbst durch den Kakao zu ziehen, mache ich mich auf Twitter über mich und den Sport lustig.

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Sei also kein Arschloch und behalte Kommentare über das Gewicht anderer Menschen für dich. Du weißt nichts über sie, und selbst wenn du 1.000 Tweets darüber gelesen hat, wie die Person Häagen Dazs in sich reinschaufelt,

a. ist es nicht deine Sache, also halt die Klappe und

b. kannst du gar nicht wissen, ob das auch wirklich stimmt (als könnte ich mir so viel Häagen Dazs leisten, ich bitte euch)

Und selbst wenn du die Person genau kennst – ihr Körper ist nicht deine Angelegenheit. Behalt deine beschissene, unwichtige Meinung also für dich, mmmkay?

PS Gilt übrigens genauso für Kommentare wie „Mein Gott, Kindchen, was bist du dünn! Iss doch mal was!“ oder eure so irre lustigen Sprüche von wegen „Echte Frauen haben Kurven“. Nein. Einfach… Nein. Lasst es. Ihr tut der Welt damit einen Gefallen.

Geschichtsrevisionismus lebt!

Krieg ist scheiße. Ich denke, da sind wir uns alle einig. Meine Eltern kommen aus Kroatien. Kroatien war früher Teil Jugoslawiens. Jugoslawien ist 1991 zerfallen. Es gab Nachfolgekriege. Meine Familie war davon betroffen. Meine Großeltern wurde vertrieben, Cousins und Großonkel sind im Krieg gestorben. Krieg ist scheiße.

Kriege zu verharmlosen und jegliche Schuld von sich zu weisen ist noch beschissener, und genau das findet gerade in Den Haag statt.

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Oh nein, ein anderer Bordi schreibt verrückte Dinge!

Ich mag Silke Burmester wirklich. Wirklich wirklich. Die SpOn-Kolumnisten sind nicht selten für mein Haareraufen verantwortlich und es ist schön, immerhin einmal die Woche einen Text lesen zu können, dem man zustimmen kann. So auch heute, als ich mir Burmesters Erörterungen zu Joachim Gauck, der NPD und Spinnern zu Gemüte führte.

Kurz zusammengefasst: Gauck neulich zu Schülern (sinngemäß): „Man muss auf die Straße gehen und den Spinnern von der NPD die Stirn bieten! Mit ‚man‘ meine ich euch. Außerdem könnt ihr gern gegen Nazis demonstrieren, aber wehe ihr geht aus anderen Gründen auf die Straße, dann seid ihr nämlich linksextreme Spinner.“ Burmester (sinngemäß): „Wow, es fühlen sich dauernd Menschen angegriffen. Warum sagen die Spinner denn nicht, dass sie nicht mit Nazis verglichen werden wollen?“ Gequältes Lächeln bis zu diesem Punkt.

Burmester bezieht sich dann auf einen anderen Text von ihr, in dem sie Matussek einen „verrückten Bordeliner“ nannte und daraufhin empörte Kommentare lesen musste. Hihi, witzig, diese Entrüstung von Menschen mit psychischen Erkrankungen. Weiterlesen