Wieso ich kein Problem mit Witzen über Hitler habe

Für die, die noch nicht auf den Kalender geschaut haben: Heute ist der 20. April. Während ich überall in sozialen Netzwerken „Frohe Ostern!“ lese, denke ich aber – zumindest dieses Jahr – nicht an die Auferstehung Christi vor etwa 2000 Jahren, sondern an die Geburt Hitlers 1889. Und ich denke und denke und denke. Und reiße Witze darüber.

Der geneigte Leser weiß, dass ich Politikwissenschaft und Geschichte studiere und mich deswegen allein von „Berufs“ wegen viel mit der Thematik auseinandersetze, zumal der Schwerpunkt in meinem Nebenfach auf neuerer und neuester Geschichte liegt. Der geneigte Leser weiß auch, dass ich mich sehr oft über sehr viele Dinge aufrege und sie unangemessen und geschmacklos finde.

Warum sind Witze über Hitler also meiner Meinung nach okay?

Hitler war ein Mensch. Nicht mehr, nicht weniger.

Hitler als „unantastbar“ zu sehen und von Witzen auszunehmen blendet aus, dass er ein Mensch war. Jap, er (und Konsorten) haben unvorstellbare Verbrechen begangen, aber sie als Monster zu betrachten führt dazu, dass man leicht dem Gedanken verfällt, dass nur Monster schlimme Dinge tun. Nein. Tun sie nicht. Hannah Arendt prägte den Begriff „Banalität des Bösen“. Man sollte sich ins Gedächtnis rufen, dass „Monster“ nur dazu dienen, uns selbst (Un-)Taten zu erklären, die unsere Vorstellungskraft übersteigen. Klar ist es einfacher, den Holocaust (und alle weiteren Programme) irgendwelchen urbösen Menschen zuzuschreiben und zu denken, dass sich so etwas niemals wiederholen könnte. Und bei Ruanda nach demselben Prinzip zu verfahren. Und bei Srebrenica auch.

Witze über Hitler sind okay. „Witze“ über den Holocaust nicht.

Das sollte selbsterklärend sein. Dennoch wird nicht zwischen „oh, schau mal, hier ein Foto von Hitler mit Hasenohren“ und blöden Sprüchen über den Holocaust differenziert. Das ist nicht dasselbe. Wenn ich mich über Hitler als Person lustig mache, habe ich weder die Absicht, mich über die Opfer seiner Politik lustig zu machen, noch habe ich irgendwie impliziert, dass daran irgendwas lustig sei.

Aus Umgang mit der Geschichte folgt auch Verantwortung für Gegenwart und Zukunft. Sich diesem, teilweise auch humorvollem, Umgang zu verschließen, halte ich für sehr gefährlich.

Dennoch gilt: Humor ist subjektiv. Der eine lacht über ein Foto von Hitler in Lederhosn, der andere über Mario Barth. Jeder nach seiner Façon.

Am Ende bleibt aber eins: Hitler war ein Mensch. Das ist das Gruselige.

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11 Gedanken zu „Wieso ich kein Problem mit Witzen über Hitler habe

  1. Tsja, ich hingegen haben noch nie einen Menschen, der den Holocaust überlebt hat, etwas Witziges zu Hitler sagen hören. Für mich habe ich daher beschlossen, die haben einfach mehr Innensicht zu dem Thema. Dann schließe ich mich ihnen gerne an.

    Das Problem dabei sind die kommenden Generationen: wer Hitler als Witzfigur versteht, wird nicht kaum verstehen können, was der „Mensch” Hitler an Grauen über viele Menschen und Länder gebracht hat. Ich wäre mit Witzen über Hitler sehr sehr vorsichtig. Es gibt nämlich keinen ernsthaften Grund über ihn zu lachen.

  2. Ich wüsste jetzt auch keinen Grund über Hitler zu lachen. In der Sache stimme ich dir jedoch zu. Das Massenmörder in aller Regel neurotypische Menschen sind, insbesondere auch Menschen mit normaler Sozialisation und ethischem Empfinden, wird von den meisten nicht zur Kenntnis genommen.

  3. http://youtu.be/-FqhSjNVGJc?t=6m53s Wie Ricky Gervais sagt kommt es nicht so sehr darauf an worüber man Witze macht sondern wie man selber zu der Sache steht. Wenn jemand dann beleidigt oder verletzt ist, ist dann seine Sache und nicht unbedingt das Problem des Witzemachers, bzw. sollte man sich schon auch das Publikum aussuchen das zur Sache auch die richtige Distzanz hat um darüber lachen zu können (meist ist man sich ja selbst zu nah …).

  4. Mel Brooks soll einmal gesagt haben, dass es sein Ziel ist, Hitler zur Witzfigur zu machen. Daher hat er all die Filme wie z.B. The Producers gedreht.

    Und ich kann sein Ziel verstehen, Hitler wurde in den letzten Jahrzehnten zum Dämon. Ihm allein (und einer kleinen Gruppe von Menschen) wurde die gesamte Schuld für den Holocaust zugeschoben. Bei einer Witzfigur ist das nicht mehr möglich.

  5. Wie sagte ein weiser Zauberer noch? „Er heißt nicht »der, dessen Name nicht genannt werden soll« und auch nicht Voldemort. Er heißt Tom Riddle.”

  6. Ist doch toll, dass Holocaust-Opfer von einer Witzfigur umgebracht wurden. So wie Micky Maus oder Dick & Doof. Da könnte man sich fragen, warum man sich gegen so eine Witzfigur nicht wehren kann. Denk mal drüber nach…

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