The struggle isn’t that real

Mit einem leisen Wimmern lege ich meine EC-Karte auf die Theke. 59€ für ein Buch, das ich im Prinzip auch als PDF im Internet finden oder in einem niederländischen Antiquariat bestellen könnte. Ich unterschreibe, wünsche dem Kassierer einen schönen Abend und schleppe „Hitler, Mein Kampf. Eine kritische Edition“ durch die Stadt. Die beiden Bände sind deutlich größer und schwerer als erwartet. Während ich diesen Text schreibe, halte ich immer mal wieder inne, suche nach richtigen Formulierungen (finde sie nicht) und massiere meine Schulter.

Schwerer als die Bücher sind nur meine Gedanken. Muss das denn sein? Mal ganz abgesehen davon, dass ich die nächste Woche meinen Kontostand ignorieren werde, frage ich mich, ob nicht doch schon alles zu „Mein Kampf“ gesagt wurde. Wer wird denn 2.000 Seiten wirres Gelaber und Kommentare, die dem Ganzen hoffentlich einen Kontext geben, tatsächlich lesen? Wenn es während der NS-Zeit schon niemand gelesen hat, obwohl es in jedem Wohnzimmer stand, warum soll das dann heute anders sein? Außerdem stecke ich mitten in einem Forschungsprojekt, das mich neben meinem Job schon genug in Beschlag nimmt. Eigentlich würde ich es nun gerne umtauschen, aber irgendwas hindert mich daran. Vielleicht ist es „ätschibätsch, ich hab eines der heiß begehrten Exemplare bekommen“. Vielleicht ist es aber auch einfach aufrichtiges Interesse.

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Die Veröffentlichung des Instituts für Zeitgeschichte ist meines Erachtens wichtig. Offenbar muss man sich durch ziemlich viel sprachliches Gestrüpp (von Hitler, nicht vom IfZ) kämpfen, was mich nicht wirklich überrascht, aber die Entscheidung, Hitlers Thesen nicht unkommentiert stehen zu lassen, ist die einzig richtige. Wer es liest, möchte vermutlich verstehen; wer verstehen will, braucht eine Hilfestellung, Kontextualisierung, Erklärungen. Darum reicht mir eine PDF-Datei auch nicht.

Ich habe beschlossen, das Werk (inkl. Kommentare natürlich) Stück für Stück durchzugehen und davon zu berichten. Mal nehme ich ein ganzes Kapitel, dann wieder nur einige Seiten. Es wird im Rahmen meines Blogs keine wissenschaftliche Auseinandersetzung und Darstellung geben; das ist hier nicht mein Anspruch. Ich bin nur jemand, der verstehen und seine Eindrücke mitteilen möchte. Außerdem: ätschibätsch, ich hab eines der heiß begehrten Exemplare bekommen.

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Ein Gedanke zu „The struggle isn’t that real

  1. Interessanter Text (also Deiner)! Ich glaube auch, dass eine solche kommentierte Edition eine gute Sache ist. Allerdings hab ich sie mir noch nicht gekauft (bzw. bestellt), u. a. weil ich mir nicht sicher bin, ob ich als Nicht-Historikerin und Nicht-Politikwissenschaftlerin (bin Religionsethnologin) die Kommentare (richtig) verstehe. Wie ist denn da so Dein Eindruck? Meinst Du man kann das verstehen, auch wenn man nicht vom Fach ist?

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