Nur Gulasch schmeckt aufgewärmt: Zu Body Positivity und „du bist doch gar nicht dick“

Auf Tellonym erreichte mich heute eine Nachricht, in der etwas angesprochen wurde, was schon einmal für Gesprächsstoff sorgte. Hier der Tell:

Warum nimmst du fatshaming activists den Raum mit deinem Gelaber vom Dicksein? Du weißt selbst, dass du zu den Normschönen gehörst, musst nicht so tun. Deine Selfies sind immer vorteilhaft, du hast ein schönes Gesicht, schöne Haare, eine Figur, die durchaus mehr als in den Rahmen von Kriterien fällt, in denen Frauen in unserer Gesellschaft als gut aussehend gelten etc. Du bist stolz auf deine Brüste, alles gut. Solltest du eine Körperwahrnehmungsstörung haben, ist das aber noch lange kein Grund, mit fat activism, so mit thickthighs usw. zu kokettieren. Damit silenct du die richtig dicken Frauen. Weil du etwas für dich beanspruchst, wozu du nicht gehörst. Aber so tust, als ob du voll im Body acceptance movement bist. Um Applaus und Bestätigung von deiner Bubble zu kriegen. Das ist nicht solidarisch mit fat activists, sondern vereinnehmend und schädigend.

Wenn du mit deinem Körper warum auch immer nicht zufrieden bist, hat das voll seine Berechtigung. Mach dich aber bitte nicht deswegen zur Vorreiterin einer Körperakzeptanz-Bewegung. Weil damit die richtig dicken Frauen immer noch weiter diskriminiert werden. Und du deine „och, du bist ja gar nicht so dick“s einsammelst. Mag für dein Ego super sein. Natürlich verurteilst du sowas öffentlich.
Aber das ist weder feministisch noch solidarisch.

Es gibt mehrere Wege, mich direkt zu kontaktieren, und diese wurde im Rahmen der bisherigen Diskussionen auch gewählt. Das als Tell zu hinterlassen ist natürlich bequem – es ist anonym und wenn ich mich dazu äußern will, muss ich das auf einer anderen Plattform machen, weil es nicht möglich ist, auf Tells direkt zu antworten. Es ist auch kein direktes Gespräch mit der Person möglich, die mir das geschrieben hat, was an sich ja okay ist. Ich verstehe nicht ganz, warum der Mut fehlt, vollkommen legitime, halbwegs sachliche Kritik auf einem anderen Weg zu äußern. So viel zur Form und weshalb ich euch mit einem endlos langen Blogpost behelligen muss.

Immer wenn solche Kritik kommt, ist mein erster Impuls, mein Gewicht, meine Maße, meinen BMI, meine Kleidergröße, meinen Körperfettanteil etc. zu veröffentlichen. „Guck!“, möchte ich rufen, „Ich hab sehr wohl eine Berechtigung, an diesem Diskurs teilzunehmen!“ Aber ich lasse es immer bleiben, weil all diese Zahlen irrelevant sind. Ich kann mich nicht hinstellen und einerseits sagen, dass der BMI Quatsch ist und ihn dann andererseits als Grund dafür anführen, weshalb ich mich zu dicken Frauen zähle.

Ich tue es dennoch. Also mich als dicke Frau sehen, nicht den BMI als Rechtfertigung dafür hernehmen. Vor etwa einem halben Jahr war ich bei einer Ernährungsberatung. Die Ernährungsberaterin fragte nicht, was ich mir von der Beratung erwarte oder was meine Ziele sind, sondern hatte in der ersten Sitzung Eiweißshakes und einen Schnellhefter mit einem Abnehmprogramm auf dem Tisch liegen. Als ich sagte, dass Abnehmen nicht mein Ziel ist, schaute sie mich an wie ein Auto. Wie kann denn das sein? Eine (for all intents and purposes) adipöse Klientin, die nicht abnehmen will? Nach dieser Sitzung war ich erst mal am Ende.

Natürlich gibt es Frauen, die dicker sind als ich. Ich habe das zweifelhafte Glück, das zu sein, was gemeinhin als „good fatty“ bezeichnet wird. Meine Sanduhrfigur gilt als begehrenswert, auch wenn sie den allgemeinen Schönheitsstandards nach schmaler sein könnte, aber das lässt sich alles kaschieren, es gibt ja zum Glücvorteilhafte Kleidung. Ich mache Sport, scheine also das Problem, das mein Körper für andere Menschen ist, beheben zu wollen. Ach, ich mache aus anderen Gründen Sport? Unvorstellbar, kann nicht sein, ist also nicht so. Meine Ernährung besteht neben Nussschnecken und Pizza auch aus Chiapudding und Salat, Balance ist nämlich alles. Die Röllchen an meinem Bauch – hm, naja, immerhin keine Wampe. Von den dicken Armen kann abgelenkt werden, indem mein Dekolleté betont wird. Aber wie war das – große Brüste zählen nicht, wenn sie dick ist? Und die Oberschenkel – puh, zum Glück sind die grad in. Und zum Glück hat Kati Humor und macht sich selbst runter, so muss das sonst niemand für sie erledigen. Nicht, dass Madame noch abhebt (könnte sie das überhaupt, das kleine Moppelchen?).

Ich sehe die Blicke von anderen Menschen. Ich kriege die Kommentare von medizinischem Fachpersonal. Ich mache mich in der Öffentlichkeit so klein und schmal wie möglich. In öffentlichen Verkehrsmitteln setze ich mich selten hin – was, wenn es knarzt und alle auf die Dicke schauen? Mit Menschen essen zu gehen ist für mich ein Drahtseilakt zwischen „gönn dir“ und „wag es ja nicht“. Ich trage das aber nicht alles nach außen. Im Internet kriegt man nur einen Bruchteil von mir und meinem (Innen-)Leben zu sehen, darunter Fotos, auf denen ich mich ganz okay finde. Ich gelobe hiermit feierlich, 2017 auch Selfies zu posten, die ich ganz schlimm finde, weil das ja alle machen (what?).

Es steht für mich außer Frage, dass Menschen, insbesondere Frauen*, die nicht als good fatty gelten und auf andere bzw. weitere Arten vom gängigen Schönheitsideal abweichen als ich, weitere Probleme haben und auf eine gravierendere Weise marginalisiert sind als ich. Diese Menschen möchte ich unterstützen, so gut es geht. Es kann aber auch nicht sein, dass mir meine Erfahrungen abgesprochen werden oder gar eine Körperwahrnehmungsstörung angedichtet wird. Ab wann genau darf man sich denn für body positivity einsetzen? Gibt es Aufnahmegespräche und einen schmucken Mitgliedsausweis?

Genau weil ich sehe, dass ich durch all die „good fatty„-Sachen in gewisser Weise privilegiert bin, sehe ich mich nicht als Aktivistin für fat acceptance. Ich finde die Bewegung super, unterstütze ihre Ziele und gucke mir das alles von Außen an, aber fühle mich dem Movement nicht zugehörig, weil ich – Entschuldigung, ich finde keine bessere Formulierung – keine spaces invaden will.

Dass „aber du bist doch gar nicht dick!“ häufig als Reaktion kommt, liegt nicht an mir. Ich kann nicht beeinflussen, was andere über mich denken. Es wird da halt bloß sichtbar, dass Dicksein als etwas Schlechtes wahrgenommen wird und „aber du bist doch gar nicht dick!“/“du hast abgenommen!“ ein Kompliment sein soll. Ich weiß, wie ich ohne Instagramfilter, angenehme Beleuchtung und den perfekten Spiegel aussehe. Das wissen übrigens auch viele Menschen, die mich schon mal getroffen haben. Also bitte: Solange du mich nicht getroffen und dich mit mir unterhalten hast, würde ich darum bitten, mit solcher Kritik zurückhaltender zu sein. Aber danke, dass ich so die Gelegenheit hatte, mich noch einmal dazu zu äußern.

 

Der gute Depressive™

In der 12. Klasse verbrachten meine damals aktuelle depressive Episode und ich einige Zeit in einer Klinik. Leider konnten wir diesen kleinen Urlaub nicht in die Sommerferien legen, sondern sind einfach mitten im Schuljahr für ein paar Wochen von der Bildfläche verschwunden. Als ich wieder halbwegs stabilisiert war, stand ein Gespräch mit dem Kollegstufenbetreuer an. Ich erzählte, was mit mir los war und wie ich mir den restlichen Weg bis zum Abitur so vorgestellt habe. Er warf irgendwann ein: „Also Katarina, ich kann nicht so wirklich glauben, dass du depressiv sein sollst. Dafür redest du zu offen.“

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Schneisen schlagen

13. März 2015. Meine Nichte ist zwei Tage vorher 10 Jahre alt geworden und feiert am nächsten Tag ihren Geburtstag mit ihren Freunden im Schwimmbad. Sie hatte mich schon einige Zeit vorher angerufen und sehr lieb gefragt, ob ich die zweite „Erwachsene“ sein und mitkommen möchte. Natürlich weiß sie genau, dass ich ihr nichts abschlagen kann, vor allem nicht, wenn sie anruft und selber fragt. Am 13. März kam noch ein Anruf – ob ich mit ihr einkaufen gehen kann, sie bräuchte Badeshorts und die Mama kann heute nicht.

Sie freut sich sehr auf ihre Party und ist dankbar, dass ich mit ihr Shoppen gehe. Auf dem Weg zum Einkaufszentrum fragt sie, ob ich wirklich die einzige aus der Familie bin, die aufs Gymnasium gegangen ist. Weiterlesen

Fifty Shades of Gastbeitrag

KatiKuersch proudly presents den ersten Gastbeitrag auf ihrem Blog. Er stammt aus der Feder von @_Red_Queen.

Warum ich 50 Shades gefährlich finde, auch wenn es alle feiern*

(*Der Text ist auf einer heteronormativen Dynamik aufgebaut, da eben diese im Buch/Film gezeigt wird. Alle behandelten Themen und Probleme können allerdings in jeglichen gender- und orientation-Konstellationen auftreten!)

Als die Bücher erschienen, ging ein Raunen durch die Menge. BDSM-Thematik. In einem Buch. Einem Buch, das nicht nur in Bahnhofsbuchhandlungen verkauft wurde. 

Und 50 Shades wurde so schnell zum Mainstreamerfolg, so schnell konnte man gar nicht gucken. Jeder las die Bücher, verschlang sie heimlich zuhause im halbdunkeln Schlafzimmer oder ganz stolz präsentierend in der Bahn.

An sich wird eine recht typische Story beschrieben. Junges, unschuldiges Mädchen. Reicher, verdorbener Mann. Mann verführt Mädchen. Mädchen verliebt sich in Mann. So weit, so alt. Trotzdem wurde von einer „Revolution“ gesprochen, schließlich ging es nicht um „normalen“ Sex, sondern BDSM. Um einen Mann, der sich selbst als Dom bezeichnet und ein Mädchen, das von ihm als sub bezeichnet wird. 

Warum also reihe ich mich jetzt noch in die vielen vielen vielen Einträge ein, die schon zu diesem Thema geschrieben wurden?

Ganz einfach, weil ich gestern im Kino war (man weiß ja gerne, worüber man sich aufregt) und schockiert war von den Reaktionen der anderen Zuschauer. Von all dem Kichern aus den Reihen und dem verschämten Wegsehen abgesehen, fielen oft Kommentare wie: „Ich will auch einen Mr. Grey“, gefolgt von einem Augenzwinkern.

Ich bekam in letzter Zeit häufig gesagt, dass ich weder das Buch lesen, noch den Film ansehen müsse, wenn ich ein Problem mit der Thematik habe. Die Antwort darauf ist allerdings recht einfach. Doch, muss ich. Wieso? Weil die Problematik, die durch 50 Shades entstanden ist, nicht weg geht, nur weil ich wegsehe!  

Aber fangen wir doch am Anfang an und gehen schrittweise vor.

Was regt mich an der 50-Shades-Hysterie so auf?

Überall wird darüber gesprochen. Jeder will ein Stück vom Kuchen abhaben. Jeder Radiosender und jede Fernsehshow baut das Thema irgendwie ein. Es werden Beziehungsexperten und Paartherapeuten eingeladen, die schlaue Sätze von sich geben wie: „Es ist eine gute Möglichkeit das langweilige Sexleben aufzupeppen“. Die Anmoderation sieht meist gleich aus, wie beispielsweise beim SAT1 Frühstücksfernsehen. „SM ist jetzt für jeden. Man haut sich ein bisschen auf den Popo und gut ist.“ Und die sogenannten Experten für das Thema pflichten lächelnd bei. Dazu fällt mir nur eines ein: NEIN! 

Ein Klaps auf den Po, ein bisschen härterer Sex macht noch lange kein BDSM. Außerdem hat BDSM nicht zwangsläufig etwas mit Schmerzen zu tun. 

Was genau ist BDSM eigentlich?

BDSM bezeichnet Spielarten aus den Bereichen Bondage&Discipline (BD), Dominance&Submission (DS), Sadism&Masochism (SM) zusammen.  Wie mit vielen großen Überkategorien ist es auch beim BDSM nicht möglich (und auch nicht wünschenswert) genau aufzuschlüsseln, was alles Teil des Spiels ist. Aber eines haben alle diese Spielarten gemeinsam: Sie beruhen auf Grundsätzen, die immer gelten.

Spiele im BDSM müssen und sollen immer safe, sane and consensual sein. Was das genau heißt? Es bedeutet, dass die Partner sich Gefahren und Risiken bewusst machen und die Gesundheit nicht gefährden, dass die Partner geistig fit und zurechnungsfähig sind und die Aktivitäten in beiderseitigem Einverständnis stattfinden.

Während bei S/M-Spielarten Schmerzen eine Rolle spielen, muss das bei D/s nicht auch so sein. Es gibt genügend subs, die abgesehen von einem Klapps auf den Po noch keine Erfahrungen mit spanking gemacht haben und die außer Plüschhandschellen, die sie zum 18. Geburtstag bekamen und danach an den Bettrahmen klickten, nichts mit Fesselungen zu tun haben.

Was genau Teil der jeweiligen Beziehung ist, aus welchen der vier Buchstaben sie nun bestehen mag, entscheiden einzig und allein die Partner, die daran beteiligt sind und dann auch immer safe, sane and consensual!

Spreche ich damit nicht den Lesern/Zuschauern ab, zwischen BDSM-Spiel und Missbrauch zu unterscheiden?

Teilweise, ja. Aus einem einfachen Grund. Nehmen wir an die Leserin X hat das Buch verschlungen. Sie war begeistert von den Charakteren und fasziniert von Mr. Grey und seiner Macht über Ana. Sie stellt sich vor sie wäre Ana und würde Mr. Grey gegenüberstehen. X geht mit einer Freundin feiern, trifft einen netten Mann Y. Y ist gutaussehend, klug und nennt sich selbst Dom. Er erklärt Y, dass er über sie bestimmen wird und weil Y nur 50 Shades als Grundlage hat, denkt sie, das sei okay. Er fängt an ihr zu verbieten sich mit ihren Freund_innen zu treffen, ihr Vorschriften zu machen, was ihre Freizeit anbelangt, und reagiert überaus eifersüchtig auf ihre Arbeitskollegen. Y sieht hier keinen Fehler, denn schließlich sind das Regeln, die „normal“ sind im BDSM-Bereich. Mr. Grey hatte doch auch Regeln für Ana. Und genau hier sind wir am Knackpunkt:

BDSM heißt nicht, dass die sub jegliche Rechte aufgibt.

BDSM heißt nicht, dass die sub keine Meinung haben darf.

BDSM heißt nicht, dass die sub tun muss, was immer ihr Dom verlangt.

BDSM heißt nicht, dass die sub ihr körperliches und geistiges Wohl vernachlässigen soll.

BDSM heißt nicht, dass die sub Gewalt ertragen muss, weil es angeblich zum Spiel gehört.

Der Unterschied zwischen BDSM und Missbrauch ist eigentlich einfach zu erkennen. BDSM setzt (informed) consent voraus. Alle beteiligten Personen sagen ausdrücklich, dass sie das wollen, was geplant wurde, und wissen auch über die Praktiken Bescheid. Missbrauch ist genau das, was das Wort schon sagt: Es ist das Ausüben von Handlungen, denen die Person nicht zugestimmt hat, oder nicht zustimmen konnte.

Trotzdem ist es manchmal – vor allem für Menschen, die neu zum BDSM finden – schwer zu erkennen und zu verstehen, wo Grenzen überschritten, wo sie zu etwas gedrängt oder überredet werden/wurden. Vor allem wenn einer Person, wie in dem oberen Beispiel, eingeredet wird, man mache das nun mal so in diesen Beziehungen.

Aber auch als Neuling ist man natürlich nicht hilflos ausgeliefert. Man kann sich mit der Thematik auseinandersetzen, mit anderen aus der Szene (Stichwort Stammtisch!) über deren Erfahrungen und auch über die eigenen sprechen und vor allem sollte man vorsichtig sein, wenn vermeintliche Doms einem einreden wollen, was „richtiges“ BDSM ist.

Kurz gefasst ist es für Neue und Interessierte wichtig: Hinterfragt, kommuniziert, seid neugierig, recherchiert, lest auf twitter/tumblr nach, meldet euch bei fetlife oder ähnlichen Seiten an!

(Schön zusammengefasst ist der Unterschied hier.)

50 Shades ist abuse!

Zu diesem speziellen Aspekt wurde schon so viel geschrieben, dass ich es nicht treffender schreiben könnte.

Mr. Greys Vergangenheit ist kein Auslöser und keine Entschuldigung!

Die Kommentare kurz nach dem Erscheinen des Buchs waren recht eindeutig. Viele in meinem Umfeld ließen verlauten, dass es kein Wunder sei, dass Mr. Grey so seltsame Vorlieben habe, schließlich habe er vieles durchgemacht. Weil es natürlich einen Grund braucht, um bestimmte Vorlieben zu haben. Was genau ist der Auslöser für eine Vorliebe für Kuschelsex? Oder wenn man nicht heterosexuell ist? Buch und Film vermitteln, dass es einen Grund geben muss, weshalb man BDSM lebt, obwohl das absoluter Blödsinn ist. Es gibt Menschen, die in der Vergangenheit schlechte Erfahrungen gemacht haben und heute BDSM leben, genauso wie es Menschen im BDSM gibt, die noch nie Erfahrungen mit Missbrauch gemacht haben.

Viel wichtiger ist aber zu betonen, dass eine „schlimme Vergangenheit“ niemals eine Entschuldigung für Missbrauchsverhalten sein kann.

Was will ich eigentlich sagen?

Zu allererst natürlich: Fifty Shades of Grey ist mehr als problematisch.

Aber auch: Ihr interessiert euch für kink? Findet es spannend, aufregend und wollt ein bisschen in die verschiedenen Spielarten reinschnuppern? Tut es! Probiert aus, was euch interessiert, sucht euch andere Interessierte, besucht Parties, geht zu Stammtischen und Workshops!

Und immer daran denken: Gut für euch und eure Partner ist es nur, wenn es safe, sane and consensual ist!

1000 Tode schreiben

Manchmal schreibe ich, ohne mich dabei über irgendwas aufzuregen. Selten, aber es kommt tatsächlich gelegentlich vor. Der Text da unten entstand irgendwann spätabends. Er ist ein Fetzen meines Innenlebens, also sehr persönlich, und musste deswegen unbedingt veröffentlicht werden. Man kann ihn nicht nur hier lesen, sondern auch in 1000 Tode schreiben. Der Erlös des eBooks geht an das Kinderhospiz Sonnenhof in Berlin. Wenn ihr also mehr Texte über den Tod lesen möchtet (was ich euch sehr empfehlen würde) oder wenn ihr etwas Gutes tun wollt (was ich euch noch viel mehr empfehlen würde), könnt ihr das Buch kaufen.

Oh. Sicherheitshalber mal eine Triggerwarnung [Suizid].

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Gutmenscharschlöcher

Im Laufe meines Lebens habe ich schon viele verschiedene Beleidigungen an den Kopf geknallt bekommen. Manche davon verstehe ich, andere nicht. Eine ganz besonders nicht: „Gutmensch“.

Der Duden sagt, ein Gutmensch sei ein „[naiver] Mensch, der sich in einer als unkritisch, übertrieben, nervtötend o. ä. empfundenen Weise im Sinne der Political Correctness verhält, sich für die Political Correctness einsetzt“. Aha. Kann man unkritisch politisch korrekt sein? Dass es Menschen auf den Sack geht, ihr eigenes potenziell diskriminierendes Verhalten und/oder Denken zu reflektieren, kann ich ja verstehen. So halbwegs zumindest. Das ist wirklich anstrengend, habe ich mir sagen lassen.

Aber zurück zu den Gutmenschen. Der gemeine Gutmensch an sich, was macht der denn eigentlich, das ihn so furchtbar macht, dass er zu einem Schimpfwort wird? Christian Nürnberger identifizierte das Gutmenschentum als „die links-liberal-feministisch-schwul-lesbische Schickeria, die Grünen, die Klimaforscher, die Multikulturalisten, die Veranstalter von Live Aid und Live-8-Events-für-Afrika, die klampfenden Wir-sind-alle-lieb-Kirchentagsbesucher, und all jene Biedermänner und Biederfrauen, die das Denken durch die Moral ersetzen, nichts können, aber eine edle Gesinnung haben, nichts wissen, aber allerhand glauben und meinen, vor dem Islam in die Knie gehen, vor den Terroristen kapitulieren und die nächste Hölle vorbereiten“. Das klingt in der Tat schrecklich. Die links-liberal-feministisch-schwul-lesbische Schickeria ist der Dachverband der Virulenten Homolobby, die sich die „Totalverschwulung sämtlicher heterosexueller Männer und [die] damit einhergehende Ausrottung der Menschheit“ zum Ziel gemacht hat. Verständlich, dass jeder mit ein bisschen gesundem Menschenverstand da Angst bekommt. Da braucht es gar nicht den Veggie-Day-Totalitarismus der Grünen oder die musikalische Grausamkeit von „Do They Know It’s Christmas“, um den Gutmenschen in all seinen Variationen zum natürlichen Feind der „Mitte der Gesellschaft“ zu machen.

Dann warf ich aber einen Blick ins Grundgesetz und stutzte. „Die Würde des Menschen ist unantastbar“, irgendwas mit „freier Entfaltung der Persönlichkeit“, „alle Menschen sind vor dem Gesetz gleich“, „Männer und Frauen sind gleichberechtigt“, irgendwas mit Religionsfreiheit, „politisch Verfolgte genießen Asylrecht“ – da gutmenschelt es doch sehr, möchte man meinen.

Im Kontext von Diskussionen über Pegida, Flüchtlinge und Asylgesetzgebung stößt man auch immer wieder auf Geschimpfe über das Gutmenschentum. Dass genau jene patriotischen Europäer, die das christlich-jüdische Abendland vor der Islamisierung retten wollen, sich über Menschen aufregen, die ihr Handeln auf so einem gänzlich unchristlichen Wert wie Nächstenliebe oder dem furchtbar weltfremden Grundgesetz, das ja bekanntlich das Werk einer polyamoren Kommune voller Feminist_innen mit verschiedensten Geschlechtsidentitäten ist, aufbauen, ist das hübscheste Paradebeispiel für Ironie, das mir in den letzten Jahren begegnet ist.

Aber gut. In den Zehn Geboten steht ja nur „Du sollst nicht morden“. Dass man Asylbewerberheime nicht anzünden soll, steht da nicht. Das Abendland ist also sicher. Die wahre Gefahr kommt – wie immer – von links, aus der Ecke der Gutmenschen.

Ölff

Der geneigte Leser weiß, dass ich Menschen nicht besonders gerne mag, aber er weiß auch, dass ich trotzdem gelegentlich mit ihnen kommuniziere. Manchmal sogar von Angesicht zu Angesicht. Der werte Herr Sonderbayer hat mich im Ostflügel meines Palasts besucht und es gab Alkohol. Sonst hätte das vermutlich keiner von uns ertragen.

Serviervorschlag für diesen Podcast: Alkohol. Viel Alkohol.

[Natürlich nur in Maßen und erst, wenn ihr alt genug dafür seid. Drink responsibly, kids.]

Bayer telefoniert mit Kuersch (inkl. hasserfülltes, unangenehmes Schweigen)

Ich hätte es nicht für möglich gehalten, aber es gibt tatsächlich einen Menschen, der noch mehr meckert als ich. Bisher konnte ich mich nicht entscheiden, ob es eher Pech oder Glück für mich ist, dass er mich anruft, wenn er granteln will. Eins ist aber klar: Pech für euch. Jetzt drückt auf Play.

Bayer telefoniert schon wieder mit Kuersch

Erinnert ihr euch an die Zeit, als „Krawall und Remmidemmi“ von Deichkind ein Riesenhit war und die Songzeile „Impulsive Menschen kennen keine Grenzen“ zum Motto aller feierwütiger ganz frisch Volljähriger wurde? Naja, impulsive Menschen scheinen wirklich keine Grenzen zu kennen, dafür aber die Nummer vom Sonderbayer, schlechte Witze und die Geheimnisse des Penispropellerns.