Bayer telefoniert mit Kuersch (inkl. hasserfülltes, unangenehmes Schweigen)

Ich hätte es nicht für möglich gehalten, aber es gibt tatsächlich einen Menschen, der noch mehr meckert als ich. Bisher konnte ich mich nicht entscheiden, ob es eher Pech oder Glück für mich ist, dass er mich anruft, wenn er granteln will. Eins ist aber klar: Pech für euch. Jetzt drückt auf Play.

Bayer telefoniert schon wieder mit Kuersch

Erinnert ihr euch an die Zeit, als „Krawall und Remmidemmi“ von Deichkind ein Riesenhit war und die Songzeile „Impulsive Menschen kennen keine Grenzen“ zum Motto aller feierwütiger ganz frisch Volljähriger wurde? Naja, impulsive Menschen scheinen wirklich keine Grenzen zu kennen, dafür aber die Nummer vom Sonderbayer, schlechte Witze und die Geheimnisse des Penispropellerns.

Über Nationalstolz, Doppelstaatler und Konsequenz

Ich twittere mittlerweile seit fünf Jahren. Es überrascht mich nicht, dass Menschen kacke finden, was ich mache, und mir das auch (meist ungefragt) mitteilen. Trotzdem bekomme ich manchmal Nachrichten, die mich über ihre Verfasser staunen lassen. So wie gestern, als mir vorgeworfen wurde, ich… Ach, lest selbst. Weiterlesen

Bayer telefoniert mit Kuersch

Manchen Internetmenschen gebe ich meine Handynummer, nur für den Fall der Fälle. Wenn sie jemanden zum Reden brauchen. Wenn alles grad ganz schlimm ist und sie glauben, dass ich es bisschen besser machen kann. Wenn sie mich mögen und ich sie mag und wir sowas wie Freunde geworden sind.

Oder wenn sie sturzbetrunken sind, irgendwo rumsitzen und mir eine halbe Stunde lang das Ohr volllallen.

Xanthippe steckte mir eben Valium zu

Es war seltsam still hier in den letzten Wochen. Zu still. Nicht diese angenehme Stille, nicht die Stille von Menschen, die gemeinsam schweigen können, aber auch nicht so wirklich die Ruhe vor dem Sturm. Es war mehr so ein Lauern, ein Sammeln, und ich glaube, ich habe jetzt genug überlegt, um zielgerichtet meckern zu können. Sagt mal, gehts euch eigentlich noch gut? Weiterlesen

Warum Conchita alles andere als Wurst ist

Vorneweg: Ich identifiziere mich als heterosexuelle, cisgender Frau. Eigentlich habe ich kein Recht darauf irgendjemandem zu erzählen, warum es so wichtig ist, dass Conchita als genderneutrale Person den ESC gewonnen hat, und sollte das queeren Menschen überlassen. Uneigentlich habe ich ein paar Tausend Follower auf Twitter und mein Blog ist gut besucht. Falls ihr aber queer seid und findet, dass ich hier Quatsch erzähle oder generell die Klappe halten soll: Bitte sagt es mir. Emailadresse ist hier irgendwo.

 

Also.

Conchita Wurst hat den Eurovision Song Contest gewonnen. Der zweite Sieg für Österreich in der Geschichte des ESC, wenn mich nicht alles täuscht (EDIT: der zweite nach Udo Jürgens 1966, wie mir zugetragen wurde. Kann man ja mal vergessen). Noch während der Punktevergabe deuteten sich Diskussionen auf Twitter an (obwohl meine Filterbubble eigentlich echt angenehm ist, was los?!). Hier die wichtigsten Punkte.

1. „Ihr mögt Conchita nur wegen ihrer Sexualität! Eigentlich seid ihr die Intoleranten mit der Phobie!“

Ernsthaft? Conchita Wurst hat die meisten Punkte bekommen. So viel steht fest. Wer aus welchen Gründen wie viele Punkte vergeben hat, kann keiner wissen. Vermutlich – vielleicht lehne ich mich hier aber auch sehr weit aus dem Fenster – waren ihr Song und ihre Performance einfach gut. Außerdem: Ich bezweifle stark, dass jemand für einen Künstler nicht angerufen hat, nur weil die cisgender und/oder hetero sind.

2. „ABER SONG XY WAR SO VIEL BESSER UND HÄTTE GEWINNEN SOLLEN UND NICHT CONCHITA NUR WEIL SIE CONCHITA IST!“ 

Du findest also Song xy so viel besser. Das ist schön. So empfindest du halt. Blöd nur, dass dein Musikgeschmack nicht repräsentativ für ganz Europa steht und somit in dieser Frage ziemlich irrelevant ist. Weißt du, sowas wie Musikgeschmack ist eine ziemlich subjektive Angelegenheit. Die Songs, die ich gut fand, landeten im Ranking ziemlich weit hinten. Und das ist okay. Ich maße mir nicht an, für mehrere Millionen Menschen DEN BESTEN SONG EUROPAS finden zu können. Dass du aber annimmst, Conchita hätte nur wegen des genderneutralen/-fluiden Aussehens gewonnen, ist ziemlich mies. Vielleicht solltest du das mal überdenken.

3. „Der ESC ist aber ein SONGCONTEST!“

Gibt es nicht dieses jährliche Phänomen, dass Nachbarstaaten sich gegenseitig Punkte zuschieben? Und dann erzählst du mir was von Gesangswettbewerb? Puhlease. Das glaubst du doch wohl selber nicht.

4. „Ich fand den Song nicht gut.“

Vollkommen valide. Ich fand andere Songs auch besser. Das liegt halt an meinem persönlichen, subjektiven Musikgeschmack. Willkommen in der Realität.

5. „DER ESC IST KEINE POLITISCHE BÜHNE!“

Ist er nicht. Genau genommen ist der ESC ein unnötiges, arschteures und komplett irrelevantes Spektakel und ich bin so, so dankbar, wenn irgendjemand die Sendung gesehen hat und jetzt nochmal über Geschlechterrollen nachdenkt. Wenn jemand, der sich nicht ganz sicher ist, in welche Genderschublade er sich denn stecken soll, merkt, dass man Schubladen öffnen und zwischen ihnen wechseln kann. Wenn jemand Conchita sieht und denkt: „Hey, vielleicht ist es okay, wenn ich Kleid und Bart gleichzeitig trage.“ Ist das nicht wertvoller als „JA ABER ICH FAND SONG XY BESSER DER HÄTTE GEWINNEN MÜSSEN“?

6. „ABER SIE HAT AUS DEN FALSCHEN GRÜNDEN GEWONNEN!“

Oh, bitte erzähl mir mehr über die Gründe, die jeder Anrufer hatte, die du natürlich in allein Einzelheiten kennst und die du nicht irgendwie in einem transphoben „OH GOTT ICH KÖNNTE MEINE CISHET-PRIVILEGIEN VERLIEREN“-Wahn konstruiert hast. Los. Ich warte.

7. „Das ist positive Diskriminierung. Das führt nie zu Gleichheit oder Akzeptanz.“

Positive Diskriminierung bezeichnet gesellschaftspolitische Maßnahmen und wenn du einen Anruf für einen Künstler beim ESC als gesellschaftspolitische Maßnahme wertest, solltest du vielleicht erst ein Wörterbuch ranziehen, bevor du mit Begriffen um dich wirfst.

 

Ich wollte auch ein paar Dinge über Sichtbarkeit und Repräsentation schreiben, aber wie gesagt: Ich bin Cishet und fühle mich nicht qualifiziert genug, über dieses Thema zu sprechen. Klar, man kann einiges an Conchita problematisch finden (etwa dass der Unterschied zwischen Travestie und Transmensch nicht deutlich gemacht wird), aber „Sie hätte nicht gewinnen dürfen, nur weil sie eine Frau mit Bart oder ein Mann im Kleid oder was weiß ich ist“ ist kompletter Bullshit.

Jetzt entschuldigt mich, ich muss ein bisschen fangirlen.

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Wieso ich kein Problem mit Witzen über Hitler habe

Für die, die noch nicht auf den Kalender geschaut haben: Heute ist der 20. April. Während ich überall in sozialen Netzwerken „Frohe Ostern!“ lese, denke ich aber – zumindest dieses Jahr – nicht an die Auferstehung Christi vor etwa 2000 Jahren, sondern an die Geburt Hitlers 1889. Und ich denke und denke und denke. Und reiße Witze darüber. Weiterlesen

Hobby: Fett sein

Ich bin fett. Das sage ich nicht als „uh, ich bin normalgewichtig, aber dennoch weit vom gängigen Schönheitsideal entfernt!“, sondern ich habe wirklich beachtliches Übergewicht.

Ich war schon immer auf der dicken Seite des Lebens.

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Sport und Bewegung waren nie mein Ding. Ich habe schon als Kind viel lieber gelesen als draußen zu spielen. Meine Eltern haben mich erst spät bekommen (Mutter war 39, Vater 42) und hatten als selbständige Gastronomen mit drei weiteren Kindern nicht besonders viel Zeit für mich. Wenn ich gequengelt habe, hat man mir halt Schokolade gegeben, damit ich ruhig bin. Nicht die beste Erziehungsmethode, aber hey.

Als Teenager war ich weiterhin übergewichtig und Sport war eine Qual, insbesondere Schulsport. Trotzdem habe ich mich viel an der frischen Luft bewegt, war viel Fahrrad fahren, mit Freunden im Schwimmbad und bin spazieren gegangen. Rückblickend betrachtet frage ich mich, wieso ich mich wegen meines Gewichts so fertig gemacht habe. Und wieso ich deswegen so fertig gemacht wurde.

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Mit 15 habe ich ein Auslandsjahr in den USA gemacht. So ziemlich jeder, der einmal als Gastschüler in den USA war, kann davon berichten, dass er teilweise extrem zugenommen hat. Bei mir waren es 17 Kilo.

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Einen Großteil des Gewichts bin ich in Deutschland wieder losgeworden, einfach weil das Essen hier komplett anders ist als das in den USA. Mit 16/17 war ich bei einem Kopfschmerzspezialisten in Behandlung, weil meine Migräne immer schlimmer geworden ist. Wir haben viele verschiedene Prophylaxemethoden ausprobiert, auch Medikamente. Psychopharmaka führen oft zu rapider Zu- oder Abnahme. Mein Gewicht schwankte in dieser Zeit extrem. Als es mir am schlechtesten ging und ich wegen Suizidgefahr in die Psychiatrie kam, war ich lustigerweise am dünnsten. Als es mir wieder besser ging, habe ich ein bisschen zugenommen – hey, passiert halt, wenn man wieder regelmäßig statt gar nicht isst – aber das war okay. Mir ging es besser. Alles andere war egal.

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Kurz darauf habe ich meine Medikamente auf eigene Faust wieder abgesetzt und zugenommen, weil in meinem Körper viel weniger Serotonin im Umlauf war. Aber yes! Kein Antidepressivum mehr und mir ging es so auch echt gut. Mittlerweile hatte ich beschlossen, dass ich mich vegetarisch ernähren möchte, und darauf geachtet, keine „Pudding-Vegetarierin“ zu sein, sondern viel Obst und Gemüse zu essen. Bonus: All you can Kartoffeln und Pasta!

Zwei Jahre später ging es mir wieder schlechter und ich habe gemerkt, dass ich psychisch wieder abrutsche. Ich habe mir sehr früh Hilfe gesucht und wieder Psychopharmaka genommen. Das war die einzig richtige Entscheidung. Erst habe ich dank der Medikamente rapide abgenommen, dann wegen des Antipsychotikums, das ich ein halbes Jahr später bekommen habe, rapide zugenommen. Wenn ich unbedingt zur Uni musste, bin ich entweder zu Fuß gegangen (als ich noch bei meinen Eltern wohnte – 2km spazieren ist machbar) oder mit dem Auto gefahren, weil ich nur selten mit überfüllten öffentlichen Verkehrsmittel fahren möchte.

Heute sehe ich so aus.

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Seit etwa fünf Wochen ernähre ich mich ketogen, weil ich hoffe, dass ich dadurch meine Migräne in den Griff bekomme. Ich achte extrem darauf, was ich esse und was nicht. Ich mache mittlerweile Sport, egal wie sehr ich es hasse, weil Sport gut gegen die Angespanntheit, Unruhe und Schlafstörungen hilft, die mein neues Antidepressivum verursacht.

Vorgestern wollte ich mir einen Sport-BH kaufen. Meine Brüste sind ziemlich groß und mit den Dingern zu hüpfen ist im besten Fall unangenehm, aber eigentlich echt schmerzhaft. Ich habe alle Sport-BHs in dem Laden anprobiert und meine Brüste hüpften munter weiter. Als ich halb entblößt in der Umkleide stand, erzählte mir die Verkäuferin, ich solle fünf kleine Mahlzeiten am Tag essen, nie weiteressen wenn ich satt bin, und überall zu Fuß hingehen. Mal ganz abgesehen davon, dass es verdammt erniedrigend ist, halbnackt vor einer Fremden zu stehen und sich anzuhören, dass man ein fettes, widerliches Ekel ist.

Ich möchte keinen Sport-BH, weil ich Sport mache, um abzunehmen, sondern weil ich ihn einfach für meine Psyche brauche. Wenn du einen Menschen auf der Straße triffst, weißt du nichts über ihn. Du weißt nicht, ob er gesund ist, wie er sich ernährt, ob er regelmäßig Medikamente nimmt, ob sich die Medikamente auf den Stoffwechsel auswirken. Gerüchteweise soll es dünne Menschen geben, die nie Sport machen, essen worauf sie Lust haben und trotzdem dünn sind. Eine meiner Schwestern ist so. Die anderen beiden haben, genau wie ich, die Statur unseres Vaters geerbt. Weil ich aber ein Faible dafür habe, mich selbst durch den Kakao zu ziehen, mache ich mich auf Twitter über mich und den Sport lustig.

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Sei also kein Arschloch und behalte Kommentare über das Gewicht anderer Menschen für dich. Du weißt nichts über sie, und selbst wenn du 1.000 Tweets darüber gelesen hat, wie die Person Häagen Dazs in sich reinschaufelt,

a. ist es nicht deine Sache, also halt die Klappe und

b. kannst du gar nicht wissen, ob das auch wirklich stimmt (als könnte ich mir so viel Häagen Dazs leisten, ich bitte euch)

Und selbst wenn du die Person genau kennst – ihr Körper ist nicht deine Angelegenheit. Behalt deine beschissene, unwichtige Meinung also für dich, mmmkay?

PS Gilt übrigens genauso für Kommentare wie „Mein Gott, Kindchen, was bist du dünn! Iss doch mal was!“ oder eure so irre lustigen Sprüche von wegen „Echte Frauen haben Kurven“. Nein. Einfach… Nein. Lasst es. Ihr tut der Welt damit einen Gefallen.

Geschichtsrevisionismus lebt!

Krieg ist scheiße. Ich denke, da sind wir uns alle einig. Meine Eltern kommen aus Kroatien. Kroatien war früher Teil Jugoslawiens. Jugoslawien ist 1991 zerfallen. Es gab Nachfolgekriege. Meine Familie war davon betroffen. Meine Großeltern wurde vertrieben, Cousins und Großonkel sind im Krieg gestorben. Krieg ist scheiße.

Kriege zu verharmlosen und jegliche Schuld von sich zu weisen ist noch beschissener, und genau das findet gerade in Den Haag statt.

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Oh nein, ein anderer Bordi schreibt verrückte Dinge!

Ich mag Silke Burmester wirklich. Wirklich wirklich. Die SpOn-Kolumnisten sind nicht selten für mein Haareraufen verantwortlich und es ist schön, immerhin einmal die Woche einen Text lesen zu können, dem man zustimmen kann. So auch heute, als ich mir Burmesters Erörterungen zu Joachim Gauck, der NPD und Spinnern zu Gemüte führte.

Kurz zusammengefasst: Gauck neulich zu Schülern (sinngemäß): „Man muss auf die Straße gehen und den Spinnern von der NPD die Stirn bieten! Mit ‚man‘ meine ich euch. Außerdem könnt ihr gern gegen Nazis demonstrieren, aber wehe ihr geht aus anderen Gründen auf die Straße, dann seid ihr nämlich linksextreme Spinner.“ Burmester (sinngemäß): „Wow, es fühlen sich dauernd Menschen angegriffen. Warum sagen die Spinner denn nicht, dass sie nicht mit Nazis verglichen werden wollen?“ Gequältes Lächeln bis zu diesem Punkt.

Burmester bezieht sich dann auf einen anderen Text von ihr, in dem sie Matussek einen „verrückten Bordeliner“ nannte und daraufhin empörte Kommentare lesen musste. Hihi, witzig, diese Entrüstung von Menschen mit psychischen Erkrankungen. Weiterlesen